Leitartikel
Die Uni muss sich nicht verstecken

Chefredaktor David Sieber äussert sich zur Akzeptanz der Universität im Baselbiet.

David Sieber
David Sieber
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Juri Junkov

Letzten Mittwoch am Herbstmarkt in Gelterkinden. Ein nüchterner Stand in Weiss und Uni-Blau. Ein Tischlein. Süssmost und Prospekte. Das Personal steht etwas verloren herum. Die Besucherinnen und Besucher schlendern vorbei, nehmen kaum wahr, dass sich die Universität Basel die Ehre gibt. Die Zurückhaltung der altehrwürdigen Institution, die im Baselbiet auf Roadshow ist, spricht Bände. Man wähnt sich auf dünnem Eis, möchte zwar Flagge zeigen, doch so, dass es niemanden stört. Kein Wunder, geht die Uni im Trubel des bunten Markttreibens unter.

Es könnte ja Kritik absetzen. Was will eine elitäre und teure Einrichtung hier, im Land der Bauern und Handwerker? Die gehört doch in die Stadt! Und die Stadt, das sind die Linken und Grünen und haben mit uns hier rein gar nichts zu tun. So etwa dürften sich jene die Reaktionen im oberen Baselbiet vorgestellt haben, die den Uni-Auftritt konzipierten. Sie hätten falscher nicht liegen können. Jenseits der Politik, die dem Spardiktat alles unterordnet, tönt es wesentlich positiver. Nicht einmal ein Standort in Liestal wird als zwingend erachtet, um sich der Uni verbunden zu fühlen. Vier von der bz wahllos dazu befragte Marktbesucher ergeben natürlich längst keine repräsentative Umfrage. Doch lassen sie erahnen, dass die Stimmung weit weniger Uni-skeptisch ist, als die rechten Lautsprecher des Kantons glauben machen wollen.

Angst vor Fettnäpfchen

Es hätte für die Uni-Leute also Grund genug gegeben, in Gelterkinden etwas selbstbewusster aufzutreten. Zu zeigen, dass die Uni auch den Baselbieterinnen und Baselbietern gehört. Dass die Uni integraler Teil des Lebens- und Wirtschaftsraums beider Basel ist. Dass es mit die Uni ist, die jenen Nachwuchs herangebildet, den es für das künftige Wohl der Region braucht. Man hätte es tun können, ohne in Fettnäpfchen zu treten.

Denn deren gibt es einige. Die Kürzung der Beitragszahlungen etwa. Oder die schriftlich abzugebende Verpflichtung der Baselbieter Vertreter, im Uni-Rat zuallererst die Interessen des Kantons wahrzunehmen. Vor allem Letzteres zeigt, wie eng das Denken in der Regierung geworden ist, wie sehr die roten Zahlen der vergangenen Jahre den Gestaltungswillen lähmten.

Nabelschau statt Weitblick

Monica Gschwind, die zuständige Bildungsdirektorin, hat bar jeder Sensibilität und Weitsicht Novartis nachhaltig vergrault. Der Weltkonzern mit Sitz in Basel, dessen Forschungsabteilung hochattraktive Arbeitsplätze bietet, ist im neuen Uni-Rat nicht mehr vertreten. Die alte Regel, wonach Basel-Stadt einen der Sitze für die Roche reserviert und Baselland einen für Novartis, wurde zugunsten der Baselbieter Nabelschau gebrochen. Gut informierte Spatzen pfeifen es von allen Dächern: Der Pharmamulti hat sich schlicht geweigert, ein solches Papier zu unterzeichnen und sich einem Assessment von Gschwinds Gnaden zu unterziehen. Ein Kandidat von Exzellenz, wie man in diesen Kreisen zu sagen pflegt, wäre zur Verfügung gestanden.

Ob sich Gschwind bewusst ist, dass Novartis mit der Forschungsabteilung ohne Probleme auf andere Standorte ausweichen kann? Boston, zum Beispiel, wo der Konzern schon heute sehr viel investiert. Es könnte auch der Tag kommen, an dem das Sponsoring eines Lehrstuhls zur Disposition steht und der Uni statt mehr weniger Drittmittel zur Verfügung stehen. Wenn sich die Verbindung des Weltkonzerns zur Region lockert, ist niemandem geholfen. Schon gar nicht dem Kanton Baselland.

Nichts gegen die neuen Baselbieter Uni-Räte, aber zur besseren Akzeptanz der Uni können sie in der gegenwärtigen, von einem anhaltenden Tief geprägten politischen Grosswetterlage am wenigsten beitragen. Da ist ein Stand am Herbstmarkt in Gelterkinden doch noch erfolgsversprechender.