Mein Leben im Dreiland
Die Zeit der Abrechnung ist gekommen

Peter Schenks Kommentar über die Vielzahl der Neujahrsempfänge im Dreiland.

Peter Schenk
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Mein Leben im Dreiland Neujahr

Mein Leben im Dreiland Neujahr

Peter Schenk
Wolfgang Dietz, der Oberbürgermeister von Weil am Rhein beim Neujahrsempfang am 13. Januar. Die Musiker der Orchestergesellschaft Weil am Rhein spielten während des Empfangs.

Wolfgang Dietz, der Oberbürgermeister von Weil am Rhein beim Neujahrsempfang am 13. Januar. Die Musiker der Orchestergesellschaft Weil am Rhein spielten während des Empfangs.

Peter Schenk

Es ist eine Tradition. Im Elsass und in Südbaden feiern eine Vielzahl von Kommunen das neue Jahr mit einem Empfang.

Der Neujahrsempfang der elsässischen Gemeinde Saint-Louis findet in der Regel am ersten Freitag des Jahres statt, so auch diesmal. Letztes Jahr hatte ich ein Problem. Die Empfänge von Saint-Louis und Weil am Rhein, wohin ich auch immer gehe, fielen auf den gleichen Tag. Ich habe den Elsässern den Vorzug und Weil einen Korb gegeben. Zum Glück haben die deutschen Nachbarn mir das nicht übel genommen, und ich habe auch dieses Jahr eine der wertvollen Einladungen erhalten – für vergangenen Freitag. Ich war an beiden Empfängen.

Ob nun in Deutschland oder Frankreich: Derartige Anlässe sind zu allererst dazu gedacht, dass sich das Gemeinwesen selber feiert, und es ist ein Treffpunkt der eingeladenen wichtigen und verdienstvollen Persönlichkeiten. Neben einem kulturellen Begleitprogramm steht die Ansprache des Maire oder Oberbürgermeisters im Mittelpunkt der Veranstaltung. Sie beginnt mit der Begrüssung der Gäste – gefühlt dauert diese vor allem in Frankreich ewig. In Saint-Louis werden die Abschnitte der Rede, in denen Maire Jean-Marie Zoellé je nach Themenbereich einen Rückblick auf das vergangene Jahr und einen Ausblick auf das kommende gibt, durch gross auf die Leinwände gestrahlte Filme unterbrochen. Dazu gibt es Lichteffekte. Das Ganze ist eine Show, ähnlich orchestriert, wie man es vom amerikanischen Wahlkampf kennt. Maire Zoellé nutzt den Anlass aber auch regelmässig, um dem ungeliebten Nationalstaat nachdrücklich an den Karren zu fahren. Dies wahrscheinlich umso lieber, als im fernen Paris die Linke an den Schalthebeln der Macht sitzt, und er selber bürgerlich tickt. Die linke Ideologie führe zum «Schlamassel des Landes, das Geld leihen muss, um seine Beamten zu zahlen» und einer «strukturellen Arbeitslosigkeit, die dreimal so hoch wie bei den Nachbarn» ist und einer «zusammenbrechenden Industrie».

Die Kommunen würden vom «Staat ausgenommen», der ihnen zudem Aufgaben überträgt, «ohne als Gegenleistung dafür zu zahlen». Harte Worte. Zoellé träumt von Demokratie mit weniger Zentralismus und von einem neuen, soliden Präsidenten, der als einzigen Ehrgeiz habe, Frankreich wieder auf den Weg des Fortschritts zu bringen. Zurückhaltender gibt sich da der Weiler Oberbürgermeister Wolfgang Dietz (CDU). Die grüne Landesregierung bekommt allerdings auch bei ihm wegen ihrer absurden Subventionspraxis bei Schulsanierungen und -neubauten ihr Fett ab. Gegen das Verkehrsministerium, ebenfalls in grüner Hand, hat Weil gar Klage eingereicht, weil es die Zusagen, eine Unterführung mit knapp 500 000 Euro zu unterstützen, nicht einhält. Ansonsten spricht Dietz vor allem von der Zukunft seiner Stadt. Ein Geschenk bekam der scheidende Basler Regierungspräsident Guy Morin, den Dietz zum Schluss besonders ehrte.