Der Landbasler
Drum schwinge, wem der Schwung gegeben

Der Landbasler über verunsicherte Baselbieter «Böse». Zum Autor: Thomas Schweizer ist ein ehemaliger Lehrer am Basler Gymnasium Bäumlihof und heute als Buchautor und Literat tätig. Er lebt in Füllinsdorf.

Thomas Schweizer
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Schwingerkönig Matthias Glarner

Schwingerkönig Matthias Glarner

Keystone/EPA/Peter Schneider

Schwingen hat auf der Basler Landschaft Tradition, ja sogar ein Schwingerkönig kam schon aus dem Baselbiet. Peter Vogt aus Muttenz holte sich 1948 den Titel. Zweimal (1945 und 1950) wurde er – nach langen und gestellten Gängen - zum Erstgekrönten ausgerufen. Damit weist Baselland gleichviele Bundesräte wie Schwingerkönige auf: je einen. Bilanz ausgeglichen, obwohl heute dem höchsten Hosenlupfer der Nation mehr Zuneigung als jedem Bundesrat entgegengebracht wird.

Schwingen in Basel? Auch dort natürlich, denn jährlich findet das basel-städtische Schwingfest statt. Und bereits dreimal hatte die Stadt die Ehre, ein Eidgenössisches durchführen zu dürfen. 1977 fand es im Grenzbereich der beiden Basel, im und ums St. Jakob-Stadion statt. Der städtische Verband macht allerdings nur Schwüngli, nicht zu vergleichen mit den mächtigen Bernern und Ostschweizern. Viele waren früher Spitzenschwinger und sind heute einflussreiche Funktionäre. Doch wieder einmal könnten die Stadtbasler den Baselbietern aus der Patsche helfen.

Wir wissen, dass im Jahr 2022 der Nordwestschweizer Verband den eidgenössischen Hosenlupf organisieren wird. Dannzumal wäre das Baselbiet am Schlungg- und Gammen-Zug. Aber wo sollen die Schwinger bloss ihre Wettkämpfe austragen? Atemlos hatten wir die Suche nach einem geeigneten Standort verfolgt. Das Resultat ist bis jetzt auch ein Gestellter: Nach bewährter «Mir wei luege»- Doktrin wurde der Entscheid vertagt. Man wartet auf die Städter. Laut einer Machbarkeitsstudie wäre zwar das Gebiet zwischen Aesch und Reinach möglich. Doch wir wissen, dass solche Studien immer fortgesetzte Kontroversen und späteres Unheil bedeuten.

Der Widerstand kam von unerwarteter Seite. Ein heute gern gebrauchter Satz sei kalauernd so zitiert: Es sind die Feldhasen, Dummkopf. Sie sind das Argument der Bauern und Naturschützer. Ich habe für beide Gruppen sehr viel Sympathie und verstehe ihr Nein. Nichts gegen einen geeigneten Standort im Baselbiet, aber das Gelände vor Aesch haben einige Bauern während vielen Jahren aufgebaut, gehegt und gepflegt. Damit wurde der Natur und uns ein grosser Dienst erwiesen.

Natürlich habe auch ich aus Aesch gehört, wir sollten «wieder Grosses wagen». Ja, dafür bin ich stets zu haben, Frau Gemeindepräsidentin. Aber wie ist es möglich, dass für das nationale Schwingfest offenbar nur noch Aesch-Nord gross genug ist? Merkwürdig, im ganzen Baselbiet ist inzwischen jede andere Fläche dafür zu klein. Ohnehin bedeutet 2022 die letzte Gelegenheit für den gigantisch gewordenen Anlass. Später wird auch der letzte grüne Fleck in grauen Beton umgewandelt sein. Wenn jedoch Mies van der Rohes Feststellung «less is more» stimmt, kann das Fest auch im Reiterstadion Schänzli stattfinden.

Ob das Baselbiet wieder einmal einen Schwingerkönig stellt? Vielleicht, aber vorerst wird nur mit Worten geschwungen. Sicher ist hingegen, dass ein Eidgenössisches im Jahr 2022 stattfinden wird. Irgendwo. Meine postfaktische Einschätzung: in der Nordwestschweiz.