Kommentar
Ein Bild von einer Stadt

Patrick Marcolli
Patrick Marcolli
Drucken
Teilen
Patrick Marcolli, bz Chef-Redaktor: «Basel hat aus den Sünden der unmittelbaren Nachkriegszeit gelernt.»

Patrick Marcolli, bz Chef-Redaktor: «Basel hat aus den Sünden der unmittelbaren Nachkriegszeit gelernt.»

Kenneth Nars

Was die Bomben der Alliierten an alter Bausubstanz in Deutschland vernichteten, hat die Hochkonjunktur nach dem Krieg in Basel zerstört. Dieses «Bonmot» geistert seit Jahrzehnten in der Stadt herum und prägt, zumindest in der Geisteshaltung, noch so manche Diskussion um Erhalt oder Erneuerung. Bilanzierend kann man sagen: Basel hat aus den Sünden der unmittelbaren Nachkriegszeit gelernt. Seit den Siebzigerjahren wird dem Denkmalschutz eine sehr hohe Priorität eingeräumt. Ebenso wichtig: Dank einer ausgeprägten Wettbewerbskultur hat sich die Qualität der zeitgenössischen Architektur stetig erhöht. Basel bietet längst, auch wenn es viele in der Stadt selbst fast nicht mehr hören mögen, Architektur von Weltrang.

Die teilweise Entmachtung der Stadtbildkommission, wie sie nun die politische Mehrheit im Stadtparlament möchte, ist ein Schritt zurück. Es ist deutlich spürbar, dass der Druck auf alle Akteure in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Alles muss schneller gehen, es wird wieder dem Boom gehuldigt. Ein Expertengremium wie diese Kommission hingegen kann bremsen, kann Bedenkenträger und «Sounding Board» sein, wenn es um ästhetische Fragen geht. Ihre Gegner, die Prozessbeschleuniger, sollten sich aber nicht zu früh freuen. Ein immer dichterer Dschungel an Bauvorschriften und Energiegesetzen wird die Bautätigkeiten unabhängig davon verlangsamen. Das ist aber längst keine Garantie für ein schönes Stadtbild.

Aktuelle Nachrichten