Kulturvertrag
Ein Burgfrieden von kurzer Dauer

Hans-Martin Jermann
Hans-Martin Jermann
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Augusta Raurica, höchstes Kulturgut der Baselbieter, zeigt diese Woche noch «Voice Theatre» von Rafael Lozano-Hemmer.

Augusta Raurica, höchstes Kulturgut der Baselbieter, zeigt diese Woche noch «Voice Theatre» von Rafael Lozano-Hemmer.

zvg

Verwundert rieb sich am Mittwoch manch ein Polit-Beobachter die Augen: Die Baselbieter Regierung nimmt in den laufenden Verhandlungen um den künftigen Kulturvertrag die Halbierung der Pauschale an die Stadt fürs Jahr 2021 zurück. Nach Jahren im Spar-Modus kommen in der Partnerschaft vom Land neue Töne. Die Baselbieter Kulturdirektorin Monica Gschwind stellt zwar in Abrede, dass Basel-Stadt ultimativ mehr Geld gefordert habe.

Doch der Druck war – auch wegen der mittlerweile verbesserten Finanzlage des Landkantons – gewiss da. Dass die Baselbieter Regierung bei den Kultursubventionen einlenkt, ist taktisch klug: In der anstehenden Parlamentsdebatte und Volksabstimmung über die Spitalgruppe beider Basel will man kritischen Geistern in der Stadt nicht wegen ein paar Kultur-Millionen Angriffsflächen bieten. Schliesslich ist die Spitalfusion fürs Baselbiet im Gegensatz zur Kulturfinanzierung von zentraler strategischer Bedeutung.

Damit ist der seit Jahren schwelende Konflikt um die «richtige» Höhe der Zentrumsabgeltungen im Kulturbereich freilich nicht beigelegt. Ist in der Stadt die Freude über das unerwartete Einlenken erst einmal verflogen, wird man nüchtern feststellen: Gewonnen ist abgesehen vom vagen Bekenntnis des Landkantons zu einer «zukunftsgerichteten und nachhaltigen Partnerschaft» noch nichts.

Gemessen an den Kosten und am hohen Anteil an Baselbieter Besuchern in gewissen Basler Kulturbetrieben müssten die Abgeltungen wesentlich höher sein als die heutigen 10 Millionen pro Jahr. Gleichzeitig würde aber eine substanzielle Aufstockung der Zahlungen an Basel-Stadt im Landkanton vom bürgerlichen Lager mit Haken und Ösen bekämpft. Der von den Regierungen geschlossene Burgfrieden ist sehr zu begrüssen. Befürchtet werden muss allerdings, dass er nicht allzu lange hält.

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