Unsere kleine Stadt
Ein Weckruf für die Architekturstadt Basel

Unsere kleine Stadt im Clinch mit Bundesbern. Zum Autor: Daniel Wiener ist in Liestal aufgewachsen und lebt in Basel. Er ist Journalist, Kulturmanager, Unternehmer und Berater.

Daniel Wiener
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Ohne Bundesmittel dürfte das Schweizerische Architekturmuseum vor dem Aus stehen.

Ohne Bundesmittel dürfte das Schweizerische Architekturmuseum vor dem Aus stehen.

Juri Junkov

Der Bund weigert sich, das Schweizerische Architekturmuseum (SAM) für die Jahre 2019-2022 finanziell zu unterstützen. Ich hoffe, dass wir im Rückblick den magistralen «Schlag in die Magengrube», wie er genannt wurde, als Glücksfall für das SAM sehen werden. Ein Zustupf des eidgenössischen Kulturamtes von 250 000 Franken pro Jahr wäre zwar hübsch und nützlich gewesen, hätte aber die heutige Situation zementiert und damit zu einer weiteren Fehleinschätzung der Bedeutung von Architektur in Basel und in der Schweiz beigetragen.

Wer heute eine der kreativen und informativen Ausstellungen des SAM betritt, ist regelmässig enttäuscht: Wie kann sich eine Institution, die sich Schweizerisches Architekturmuseum nennt, mit dreieinhalb Ausstellungssälchen zufriedengeben? Sind etwa Spielsachen (mit zwei Ausstellungsorten!), alte Musikinstrumente oder elektronische Künste, die in der hiesigen Museumslandschaft viel Raum einnehmen, wichtiger als Bauen und Architektur?

Ohne einzelne Sparten gegeneinander abwägen oder gar ausspielen zu wollen: Architektur und Baukultur haben genau so ein grosses Haus mit mehreren Stockwerken verdient. Heute sind sie in einem Annex der Kunsthalle zusammengepfercht. Das kommt im Vergleich zur Bedeutung dieser Themen für unsere Stadt und die Schweiz einer Art Käfighaltung gleich. Das kleine Team um Direktor Andreas Ruby holt aus dem knappen Budget Erstaunliches heraus. Umso deutlicher wird, was alles möglich wäre, wenn das SAM eine neue Chance bekäme. Als Weckruf für diese neue Chance müssen wir die Subventionskürzung des Bundes verstehen, auch wenn sie nicht so gemeint ist. Das Ziel ist klar: In vier Jahren, wenn das Kulturamt in Bern erneut über seine Geldverteilung brütet, sollte das SAM mindestens das Doppelte des Minimalbetrags von einer Viertelmillion pro Jahr abholen. Was ist dafür zu tun?

Basel steht vor einem Bauboom, wie ihn die Stadt wahrscheinlich letztmals vor 100 Jahren erlebt hat. Eine junge Generation von Architektinnen und Planern wird sich den zahlreichen Herausforderungen stellen. Einen Ort zu haben, der den Boom mit einem kritischen und kreativen Diskurs begleitet, ist für die Baukultur Basels und auch für die Exportchancen von Basler Architektur und Städtebau vital. Wenn alle Bauträger beider Basel vereinbaren, einen Tausendstel (!) ihres Umsatzes für den baukulturellen Dialog des SAM einzuzahlen, dann kommen jährlich fast vier Millionen Franken zusammen. Für die Implenias, Losinger-Marazzis, aber auch Herzog & de Meurons dieser Stadt sollte die Spende von 0,1% an den SAM-Club Ehrensache sein. Einzelne Büros investieren bereits heute. Die Kantone als Bauträger könnten diesem guten Beispiel folgen, ohne die öffentlichen Beiträge aus der Kulturkasse zu schmälern.

Und es eilt: 2018 eröffnet das Zürcher Architekturzentrum mit deutlich attraktiveren Räumen. Allein die städtische Subvention dieser neuen Konkurrenz liegt mit jährlich 1,66 Millionen Franken höher als die Gesamteinnahmen des SAM. Dramatisch wäre es, wenn die Bundesgelder in Zukunft dorthin flössen.