Kommentar
Eine Eindämmung wird schmerzhaft

Leif Simonsen
Leif Simonsen
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Wo leere Betten rumstehen, wird zu häufig operiert.

Wo leere Betten rumstehen, wird zu häufig operiert.

Keystone

Die Wettbewerbskommission genehmigt den geplanten Zusammenschluss der kantonalen Spitäler Baselland und Basel-Stadt zur Spitalgruppe. Diese Erfolgsmeldung verkommt zur Nichtigkeit vor dem Hintergrund des gestern angekündigten Anstiegs der Krankenkassenprämien. Basel-Stadt ist auch im kommenden Jahr schweizweit mit durchschnittlich 567.30 Franken im Monat Spitzenreiter. Denn klar ist: Bei Gesamtausgaben in den beiden Basel von 6,3 Milliarden Franken werden die zehn Millionen Entlastung, welche die Spitalgruppe den Kantonen bringen soll, nur einen Tropfen auf den heissen Stein sein.

Doch wer ist Schuld an der Kostenexplosion? Zunächst: wir alle. Wegen jedem Zipperlein rennen wir Basler auf den Notfall des Unispitals und gehen statt zum Hausarzt gleich zum Spezialisten.

Aber auch: die Gesundheitspolitiker, allen voran die zuständigen Regierungsräte. Der Basler Lukas Engelberger (CVP) und der Baselbieter Thomas Weber (SVP) haben sich in den vergangenen zwei Jahren auf das Projekt der Spitalfusion konzentriert und dabei das medizinische Überangebot ausser Acht gelassen. Es ist eine alte Weisheit im Gesundheitswesen:

Wo leere Betten rumstehen, wird zu häufig operiert. Engelberger und Weber müssen das Angebot reduzieren – auch wenn immense Widerstände programmiert sind. Und zuletzt: die Ärzte. Sie wehren sich gegen die dringend notwendigen Senkungen überteuerter Leistungen. Spezialisten verdienen heute perverse Summen. Wir sind der Kostenexplosion nicht ausgeliefert. Aber es wird für alle schmerzhaft, dagegen anzukämpfen.