Lärmstreit am Euro-Airport
Eine Hassliebe ist nie easy

Patrick Marcolli
Patrick Marcolli
Merken
Drucken
Teilen
In zwei Jahren soll es auf dem Euro-Airport nach 23 Uhr keine geplanten Starts mehr geben, Landungen allerdings sind dann weiter möglich.

In zwei Jahren soll es auf dem Euro-Airport nach 23 Uhr keine geplanten Starts mehr geben, Landungen allerdings sind dann weiter möglich.

Keystone

Die Region Basel und der Euro-Airport – das ist eine sehr beständige, seit Jahren andauernde Hassliebe. In jüngster Zeit wurde sie, den immer zahlreicheren Flugbewegungen und dem damit verbundenen Lärm geschuldet, beängstigend intensiv. Sie drohte, wie es bei Hasslieben irgendwann immer der Fall ist, gänzlich ins Destruktive, gar Zerstörerische zu kippen. Gestern nun zeigten Politik und Flughafen endlich, dass sie gewillt sind, diese schwierige Beziehung zu retten: Ein strikteres Nachtflugverbot soll die Forderungen nach mehr Lärmschutz zumindest teilweise erfüllen.

Dieser Entscheid ist ein Wendepunkt: Jahrelang hat man auf Seite des Flughafens darauf vertraut, dass das schlechte Gewissen der Anwohner die Opposition gegen den Lärm in Grenzen halten würde. Wer protestiert schon mit aller Vehemenz und mit letzter Konsequenz gegen etwas, das er oft und gern selbst nutzt? Die Aussicht auf immer höhere Profite hat die Verantwortlichen des Flughafens aber abheben lassen. Eine einzige Übernachtung am Allschwiler Rosenberg hätte genügt, um die Bodenhaftung zu behalten.

Es wäre naiv zu glauben, der Sinneswandel sei uneigennützig erfolgt: Die Vermutung liegt nahe, dass der Ausbau des Terminals, vor allem die Planung des Bahn-Anschlusses, angesichts der immer geschlosseneren Opposition aus den umliegenden Gemeinden politisch kaum durchsetzbar gewesen wären. Politik und Flughafen haben immerhin erkannt, dass stetig steigende Passagierzahlen und steil abhebende Billigflieger nicht ohne Gegenleistungen zu haben sind. Eine Hassliebe ist eben nie easy.