Der Geistschreiber
Einfaltspinsel

Der Geistschreiber über die Zeitung von gestern. Willi Näf ist Autor, Ghostwriter und Satiriker. Der Heimwehappenzeller und Wahlbaselbieter leibt, lebt und schreibt in Bubendorf.

Willi Näf
Willi Näf
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So wirbt der Veranstalter SHC für den Kampf zwischen Booba (l.) und Kaaris (r.).

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zvg

Von wegen «Nichts ist so alt wie eine Zeitung von gestern.» Eine Spätlese nach drei Wochen Ferien ist stets erhellend. Man erfährt, was lief. Und was anders kam. Wortschwurbler darf man auch nachträglich noch auf relativ frischer Tat ertappen. Das Morgen entlarvt das Heute so wie das Heute das Gestern.

«Im Joggeli soll Blut fliessen», schreibt die bz am 3. August. «Zwei französische Rapper kündigen Todeskampf an.» Einer will «diesen Hurensohn zu Tode prügeln», der andere «das Blut seines Gegners trinken». Prima, denkt sich da ein rustikal gestrickter Appenzeller Bauernbub wie ich; wenn Grossmäuler mit Kleinhirnen sich gegenseitig über den Jordan schicken, wird die Menschheit im Durchschnitt gescheiter.

Aber wieso in der St. Jakobshalle? Der Heilige Jakobus ist zwar Schutzpatron der Pilger, Krieger und Apotheker, das passt. Doch als Schutzpatron will er Leben schützen, während die Hohlköpfe sich ja abmurksen wollen. Not tut also ein Schadenspatron, der ihr versehentliches Überleben verhindert.

Da Basel-Stadt die Schleglete zwölf Zeitungsausgaben später verboten hat, brauchen die zwei Matschbirnen ohnehin einen andern Austragungsort. Ich schlage ein Dracula-Schloss in Transsilvanien vor. Mit einem sympathischen Schadenspatron und einem hübschen Sortiment nichtvegetarischer Getränke. Aber egal wo sich diese «Rapper» vermöbeln, von mir aus kann man sie und ihre Manager nachher einsperren, in rosarote Zellen, bei täglich zwei Litern Himbeersirup und zwölf Stunden Beschallung mit Sarah Jane zur Friedensförderung. Sonntags gibt’s einen Becher Blut und zwölf Stunden Rap. Da dürfen diese Einfaltspinsel dann wählen, ob sie sich wegen des Bluts übergeben wollen oder wegen ihrer eigenen Texte.

Nach meinen Ferien las ich noch diverse Artikel über Inhaber untermöblierter Oberstübchen. Über Rapper, Trolle und Staatspräsidenten mit lärmigem Auftritt und martialischen Texten. Ich bin jetzt schon wieder ferienreif. Dabei weiss ich genau, dass ich mich dann doch wieder auf die Spätlese stürzen werde. Wenn nämlich die eigenen Freunde alle nett sind, braucht man Fremde, über die man ablästern kann.

An dieser Stelle würde ich darum den Matschbirnen herzlich danken. Aber die lesen ja keine Zeitung.