Persönlich
Eselin auf der Brücke

Die Autorin macht sich mit Eselsbrücken zum Esel. Doch so lange es hilft, sei jede Eselei erlaubt!

Susanna Petrin
Susanna Petrin
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Arabisch.

Arabisch.

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Begonnen hat die Eselei mit 28 neuen Buchstaben. «Die lernen Sie jetzt bitte bis nächste Woche auswendig», sagte der Arabischlehrer. Bald sass ich am Küchentisch und fragte mich, ob es jenseits der 40 gehirnphysiologisch überhaupt noch möglich ist, eine völlig fremde Sprache zu lernen. Mein Hirn jedenfalls liess mich daran zweifeln.

Der einzige Weg, mir auch nur das kürzeste Wort zu merken, ist über den Umweg einer Eselsbrücke. So wie Esel offenbar auch ganz flaches Gewässer nur auf kleinen Brücken überwinden – weil sie dessen Tiefe nicht abzuschätzen vermögen.

Das «Qaf» wurde schnell mein Lieblingsbuchstabe, sieht es doch aus wie ein Clown. Ich merke mir: Dieser Buchstabe macht das Kalb, also heisst er «calf», auf Englisch Kalb. Andere Gedächtnisstützen geraten weniger jugendfrei: «Mim» sieht aus wie ein Spermium, «Sad» wie eine Handschelle – Marquis de Sade! Mal im arabischen Raum angekommen, sollte ich vielleicht nicht mehr über meine Eselsbrücken reden.

Bald kamen die Wörter. Umm: Mutter. Wie bei Umm Kulthum, Mutter der Musik. Plural: «Ummahāt». Weil man die Mutter immer um sich «umme het». «Tilmiz»: Schüler. Jemand, der mies ist. «Gizam bikab wati»: Schuhe mit tiefem Absatz, also watend, bis nach Giza; «bikab ālli», mit hohem Absatz, die gefallen Ali.

Garten: «Ginena». Ich denke an Nena, die wegen der 99 Luftballons an die frische Luft muss. Immer abstruser werden die Eselsbrücken, wie von M. C. Escher konstruiert. Ich stehe darauf, ein wenig schwankend und schwindelnd, komme aber immer wieder drüben an. Alhamdulillāh!

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