Fasnachts-Philosoph
Fascht e Familie

Die Antwort auf die Frage, wieso der Fasnachtsdienstag immer wichtiger wird.

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Vor allem ist der Dienstag der Tag für die Familien- und Kinderfasnacht.

Vor allem ist der Dienstag der Tag für die Familien- und Kinderfasnacht.

Juri Junkov

Vor etlichen Jahren hat der Chefredaktor einer grossen Zeitung in Basel, der sich zwar ausdrücklich als Nicht-Fasnächtler bezeichnete, festgestellt, dass die Cortèges kaum mehr interessieren und dass die Fasnacht am Dienstag der eigentliche Höhepunkt und Wert unserer Fasnacht sei.

Das ist natürlich Humbug. Zentrale Aufgabe der Basler Fasnacht ist die Kritik und Persiflage, das Ausspielen und Umsetzen von Sujets, also Themen, die Kritik und Anklage verdienen. Und das geschieht in allererster Linie in den Zügen am Cortège und mit den Schnitzelbänken.

Natürlich ändert dies nichts an der Tatsache, dass der Fasnachtsdienstag immer mehr an Bedeutung und Interesse gewinnt. War dieser zweite Tag unserer Fasnacht früher noch ein fast normaler Tag mit Tramverkehr in der Innenstadt, so ist es heute, nebst den grossen Gugge-Konzerten am Abend, der ganz grosse Tag für die völlig unorganisierte, «freie» Fasnacht. Für Individualisten, zusammengewürfelte Gruppen, schiefe Experimente und Spinner.

Vor allem aber ist es der Tag für die Familien- und Kinderfasnacht. Es ist die allerbeste Gelegenheit, im Familienverband und mit Freunden den Kindern unsere Traditionen näher zu bringen, schmackhaft zu machen, und damit die Samen zu streuen für eine lebendige Zukunft unseres Brauchtums. Unsere Nachbarn im alemannischen Raum nennen die Kinder an der Fasnacht übrigens besonders treffend den «Narre-Soome».

Grossen Dank verdienen die Cliquen, die Junge Garden führen, in denen eben nicht nur die musikalische Kunst des Trommeln und Pfeifens vermittelt wird, sondern alle Facetten unserer Fasnacht weitergegeben werden. Ins gleiche erfreuliche Kapitel der Nachwuchsförderung gehören auch die Bemühungen des Fasnachts-Comités mit der «ersten Lektion», der Vermittlung von Larven- und Laternenkursen für Schulen, um nur wenige Aktivitäten zu erwähnen.

Aber das Verständnis und die Unterstützung in der Familie ist die zentrale Grundlage zur Motivation. Dies zeigt sich deutlich bei Kindern von Immigranten, deren Eltern oft zu stark mit ihren eigenen Kulturen verwurzelt sind, als dass sie mit einem notwendigen feu sacré ihrem Nachwuchs unsere Sitten und Gebräuche näher bringen könnten.

Eine ganz andere Dimension des Familiengefühls vermittelt die Basler Fasnacht in ihrer Gesamtheit. Ein zentrales Element und ein nicht zu unterschätzender Effekt der Fasnacht ist der soziale Stellenwert. In den Cliquen spielen Unterschiede jeglicher Art kaum eine Rolle. Nicht nur auf das Zusammenspiel zwischen Jungen und Alten wird grosser Wert gelegt; dies schon wegen des bereits erwähnten Willens und der Aufgabe, die Traditionen den nächsten Generationen weitergeben zu können.

Tausende Menschen jeglichen Alters, jeglicher sozialer Stellung oder beruflicher Ausrichtung verschmelzen sich und sind gemeinsam mit der aktiven Teilnahme verschiedener kultureller Werte konfrontiert. Man sagt sich an der Fasnacht Du, und dabei bleibts meistens auch. Wir haben solch fastnächtliche Kumpanei beim Rheinischen Karneval auch schon erlebt. Nur heisst es dann dort am Aschermittwoch wieder «Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps», und die sozialen Schlagbäume gehen wieder runter.

Unsere Fasnacht hingegen ist ein Nährboden, der zu einer Vernetzung führt, die in Basel einen einmaligen, nachhaltigen Stellenwert hat. Basel rückt an der Fasnacht zusammen, und das wirkt sich auf das Leben im grauen Alltag aus. Wir werden fast eine Familie, worum wir manchmal von anderen Eidgenossen auch ein wenig beneidet werden.

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