I love books
Fast schon wie eine Abenteuerreise

Der jüngste Buchkritiker der Schweiz über «Immortals» von Janne Silva. Der 15-jährige Sekundarschüler aus Muttenz betreibt als passionierter Leser und Rezensent unter josiajourdan.ch/wordpress den gut beachteten Blog «I love books». Für die bz bespricht er regelmässig Neuerscheinungen.

Josia Jourdan
Josia Jourdan
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Josia Jourdan schreibt über «Immortals» von Janne Silva.

Josia Jourdan schreibt über «Immortals» von Janne Silva.

zvg

«Immortals» ist das Romandebüt der 15-jährigen Solothurner Schülerin Janne Silva. Darin wird uns die Geschichte von Shade und Cess erzählt, welche in einer Welt leben, in der unterschieden wird zwischen sterblich und unsterblich. Mithilfe von Tabletten, welche den Alterungsprozess verhindern, hat die Gesellschaft erreicht, dass man unsterblich sein kann. Zumindest die, die das Glück haben, diese Tabletten zu kriegen.

Shade hat dieses Glück nicht. Sie ist sterblich und auf der Flucht, muss über den Zaun klettern, welcher die Sterblichen von den Unsterblichen trennt, und begegnet Cess, einem Unsterblichen, welcher sie bei sich aufnimmt. Was zuerst nur eine Übergangslösung hätte sein sollen, entwickelt sich zu einer Freundschaft. Vielleicht sogar mehr, aber das ist nicht möglich. Schliesslich wird Cess ewig leben und Shade nicht. Werden sie das System bezwingen können und kann Shade sich vor ihren Verfolgern verstecken?

Josia Jourdan schreibt über «Immortals» von Janne Silva.

Josia Jourdan schreibt über «Immortals» von Janne Silva.

zvg

Die Geschichte beginnt rasant und wird uns abwechslungsweise von Shade und Cess erzählt. Die Autorin findet das richtige Mass zwischen Atmosphäre, Emotionen und Handlung und macht das Buch so zu einem angenehmen Leseerlebnis. Leider ist nicht ganz ersichtlich, wohin die Geschichte führen soll. Lange Zeit fehlt ein roter Faden, die Geschichte plätschert nur so vor sich hin, und immer wieder wird klar gestellt: Cess ist der Reiche, der Unsterbliche, und Shade die Arme, die Sterbliche. Es fehlt den Charakteren an Tiefe und Authentizität. Mit Nebencharakteren und deren Geschichten versucht die Autorin zwar Spannung aufzubauen, doch auch dort fehlt es an ausgereiften Figuren und einer für mich nachvollziehbaren Handlung. Gegen Ende überrascht das Buch jedoch nochmals so sehr, dass ich letzten Endes begeistert das Buch zu Seite gelegt habe. Die Autorin beweist Mut, behält den Überraschungseffekt gekonnt bei und schafft es, mich als Leser unzufrieden und geschockt zurückzulassen.

«Immortals» ist ein Debüt, welches besonders durch den starken Schreibstil der jungen Autorin und das sehr gelungene Ende überzeugt. Das Buch ist eine Liebesgeschichte mit einigen Spannungsmomenten, welche in einer zukünftigen Welt angesiedelt worden ist. Diese zukünftige Welt ist für mich persönlich jedoch zu wenig behandelt worden. Die Grundidee, dass jemand unsterblich sein könnte, ist sehr interessant. Auch die Ungerechtigkeit, dass nicht alle unsterblich sein dürfen, würde die Möglichkeit geben, noch mehr aus der Handlung rauszuholen und die Leserschaft zum Nachdenken anzuregen. Leider wird das nicht gemacht, obwohl ich glaube, dass viel Möglichkeit zum Ausbauen vorhanden gewesen wäre.

Letzten Endes bin ich trotzdem positiv überrascht von diesem Debüt, welches mit starker Sprache und einer interessanten Grundidee zu überzeugen weiss. Ich bin gespannt, was wir in Zukunft von der jungen Autorin zu lesen bekommen und kann nur allen empfehlen, «Immortals» mal anzuschauen.