Mein Leben im Dreiland
Fast wäre ich in ein Velo gelaufen

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und auch unser Kolumnist nimmt sich da nicht aus. Vor allem im Strassenverkehr merkt er, wie Gewohnheit manchmal zu gefährlichen Situationen führen kann.

Peter Schenk
Peter Schenk
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KEYSTONE/GAETAN BALLY

Die Nachricht habe ich selber geschrieben: Darin stand, dass die Schützenmattstrasse neu auch auf den letzten Metern in Richtung Lyss gegen die Einbahnstrasse von Velos befahren werden darf. Ich hätte es also wissen müssen. Dennoch bin ich kürzlich, als ich auf die andere Strassenseite zum Hotel Spalenbrunnen wollte, beinahe in ein Velo gerannt. Ich habe einfach nicht nach links geschaut, weil von dort früher nie jemand kam. Zum Glück konnte die Velofahrerin noch bremsen. Ich habe mich entschuldigt und mich gefreut, dass niemandem etwas passiert ist.

Als ich Anfang der 1990er Jahre aufgrund meiner Stelle bei der «Dreiland-Zeitung» der BaZ regelmässig nach Basel kam, habe ich am Anfang Unsinn verzapft. Wir kamen mit dem Auto vom St. Alban-Tor durch die St. Alban-Vorstadt – dort eine ziemlich enge Einbahnstrasse. Als mir ein Velo entgegenkam, habe ich empört gehupt. Zum Glück hat mir meine Basler Beifahrerin schnell erklärt, dass das Velo dort fahren darf.

Auto fahren in Basel muss für viele Auswärtige bisweilen nicht gerade einfach sein. Eine elsässische Bekannte ist bisher zum Beispiel nie mit dem Auto nach Basel gekommen, weil sie Angst vor den Trams hat.

Als Fussgänger habe ich vor Autofahrern mit französischen Kennzeichen Respekt: Ich traue mich oft nicht über den Zebrastreifen, weil die französischen Autofahrer schlicht nicht gewöhnt sind, dort anzuhalten. Ich habe mich gefragt, ob es eigentlich in Basel viele Unfälle zwischen Autos aus dem nahen Südbaden oder dem Elsass gibt, in die ein Auto und ein Velo beziehungsweise ein Tram verwickelt sind.

Die Einbahnstrassenregelung für Velofahrer wurde in Basel in den 1980er Jahren eingeführt. «Aufgrund der positiven Erfahrungen wurden immer mehr Einbahnstrassen für das Velo freigegeben», schreibt die Medienstelle der Kantonspolizei. Auch in Südbaden dürfen Velofahrer zahlreiche Einbahnstrassen in entgegengesetzter Richtung befahren. Probleme damit gab es auch im Landkreis Lörrach nicht. Wenig bis gar nicht verbreitet ist die Regelung im angrenzenden Elsass. In Saint-Louis besteht sie überhaupt nicht, im weiter entfernten Mulhouse hingegen schon.

In Huningue fällt mir eigentlich nur die Einbahnstrasse ein, die zum städtischen Campingplatz führt und die man auf diesem Abschnitt mit dem Velo in beide Richtungen befahren darf. Ich weiss das so genau, weil ich lange Jahre in dieser Strasse gewohnt habe. Im Vergleich zum erwähnten engen Teil der St. Alban-Vorstadt ist die Strasse in Huningue allerdings so breit, dass es auf beiden Seiten grosszügige Velostreifen gibt.

Ich weiss nicht, ob es daran liegt, dass sich viele Autofahrer aus der Grenzregion wie meine Colmarer Bekannte mit ihrem Fahrzeug nicht nach Basel trauen, auf jeden Fall stellt die Basler Kantonspolizei generell keine signifikante Zahl von Unfällen im Zusammenhang mit Trams oder Bussen fest: «Wir dürfen daher davon ausgehen, dass sich auch Verkehrsteilnehmer aus dem grenznahen Ausland grundsätzlich sicher im Basler Strassennetz bewegen, namentlich entlang der öV-Achsen.» Ähnliches gilt für Unfälle mit Velos.