Basler Kommentar
Gastarbeiter sind heute einheimische Arbeitgeber

«Zehntausende von Baslerinnen und Basler sind jedes Jahr als Gratisbotschafter unterwegs, wenn sie Grosseltern und Freunde in der alten Heimat besuchen.» Der Basler Kommentar zur Stimmung gegenüber «Fremden».

Daniel Ordás
Daniel Ordás
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Ein Faktor, der oft vergessen geht, ist die schweiz- und europaweit vorbildliche Integration der «Fremden» in unserem kleinen Stadtstaat. (Symbolbild)

Ein Faktor, der oft vergessen geht, ist die schweiz- und europaweit vorbildliche Integration der «Fremden» in unserem kleinen Stadtstaat. (Symbolbild)

Aargauer Zeitung

Es ist nie der richtige Zeitpunkt, um über Ausländer zu sprechen. Wenn gerade schlagzeilenträchtige Ereignisse die Stimmung gegen Nichtschweizer aufheizen und von gewissen Kreisen zur Pauschalverunglimpfung genutzt werden, tendieren «ausländerfreundliche» Politiker zum Schweigen, um nicht Öl ins Feuer zu giessen. Wenn aber gerade keine negativen Schlagzeilen die Gemüter bewegen, werden wir angehalten, das Thema zu umschiffen, um keine schlafenden Hunde zu wecken. Zurzeit stecken wir gerade in einer solchen Phase, die Wahlen sind noch weit weg und Ausländer kein Thema. Der Moment ist günstig, um das Thema mal von einer neuen Seite zu beleuchten.

Daniel Ordás, SP-Mitglied Basel-Stadt. Der Basler Daniel Ordás (40) macht sich in der bz Gedanken zur Stadt und der Welt jenseits des Tellerrands. Ordás betreibt mit einem Partner eine Anwaltskanzlei in Pratteln.

Daniel Ordás, SP-Mitglied Basel-Stadt. Der Basler Daniel Ordás (40) macht sich in der bz Gedanken zur Stadt und der Welt jenseits des Tellerrands. Ordás betreibt mit einem Partner eine Anwaltskanzlei in Pratteln.

bz

Ein Beispiel dafür ist die enorme Menge an ausländischstämmigen Arbeitgebern. Während Jahrzehnten wurden Migranten als Gastarbeiter wahrgenommen. Diese Definition impliziert, dass sie einerseits fremd, anderseits «provisorisch» und vor allem nur Arbeitnehmer sind. Führen Sie sich mal kurz vor Augen, wie viele Firmen Sie in Basel kennen, die auf ausländischstämmige Gründer oder auf ausländisches Kapital zurückgehen. Überlegen Sie mal kurz, wie viele Ihrer Bekannten einen ausländischen Chef haben. Wenn Ihre Bekannten in einer Dönerbude arbeiten, liegt es nahe, dass deren Chef ein Ausländer ist, aber auch Ihre Freunde bei Roche und Novartis haben ausländische Vorgesetzte. Hunderte von KMU wurden und werden von Menschen gegründet und geführt, deren Wurzeln jenseits der Grenze beginnen.

Ist uns eigentlich bewusst, wie weit und positiv der Name unserer Stadt durch Migranten in die Welt hinausgetragen wird? Zehntausende von Baslerinnen und Basler sind jedes Jahr als Gratisbotschafter unterwegs, wenn sie Grosseltern und Freunde in der alten Heimat besuchen. Hat jemand je berechnet, wer mehr Besucher in die Stadt lockt, die Art Basel, die Uhren- und Schmuckmesse oder die Zehntausenden von Nichtschweizern, die Freunde und Verwandte aus der ganzen Welt in ihrer neuen Heimat empfangen?

In einem Thema, das so gerne von Politikern aller Couleur zur Stimmungsmache genutzt wird, sind die Monate, in denen das Wasser ungetrübt und der Blick klar sind, besonders geeignet, um sich bewusst zu werden, wie gut wir es haben. Es werden wieder Zeiten kommen, in denen der Begriff «Ausländer» plakatwürdig wird, vielleicht denken Sie dann bei einem italienischen Rotwein und türkischen Oliven an heute zurück und erinnern sich daran, dass nicht alles so schlecht ist, wie man es bald wieder malen wird.

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