Basler Kommentar
Glühende Lunten statt brennender Kerzen in der Lokalpolitik

Wenig weihnachtlich geht es seit ein paar Wochen in der Lokalpolitik zu. Schlagzeilen berichten von Skandalen und Affären. Politiker aller Parteien äussern Bedarftes und weniger Bedarftes. Der Basler Kommentar zu den besinnlichen Festtagen.

Christine Keller
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Christine Keller

Christine Keller

Kenneth Nars

Basel im Advent. Auch im «Bäumli» steht ein Bäumli, und die Freie Strasse erstrahlt in der Pracht der wunderschönen alten Weihnachtsbeleuchtung, die ich seit Kindheitstagen kenne. Weniger weihnachtlich geht es seit ein paar Wochen in der Lokalpolitik zu - glühende Lunten statt brennender Kerzen. Schlagzeilen berichten von Skandalen und Affären. Teilweise berechtigte, teilweise weniger berechtigte Empörung kommt auf und wird allenthalben fleissig bewirtschaftet. Die Presse ist in bester Abschusslaune. Politikerinnen und Politiker aller Parteien äussern Bedarftes und weniger Bedarftes. Köpfe rollen - fallweise bedauerlich und weniger bedauerlich. Die betroffenen Institute und Betriebe bemühen sich jedenfalls um grösstmögliche Transparenz. So kann sich jeder und jede ein eigenes Bild machen. Mehr sei dazu an dieser Stelle nicht gesagt. «Aus Gründen... #zuwenigPlatz», wie ich auf Twitter schreiben würde.

Apropos Twitter. Dieser rote Faden fehlte ja in der letzten Kolumne, was in der Gruppe #Neuland nicht unbemerkt blieb. Er sei hiermit wieder aufgenommen. Dominierendes Thema im Social Medium derzeit: die Grosse Koalition in Deutschland. Gipfel der Aufregung: eine Frau als zukünftige Verteidigungsministerin?! Steht gar der Untergang des christlichen Abend- oder zumindest Nachbarlandes bevor? Ob Frau Minister nun die teuren Drohnen ihres Vorgängers zu Bienen macht? Für viele Tweets sorgte auch die geplante Frauenquote für Aufsichtsräte börsenkotierter Unternehmungen im Koalitionsvertrag - die nun auch die CDU befürwortet.

In Basel provoziert bereits ein weit «harmloserer» Vorschlag erbitterten Widerstand: eine Quote von 30 Prozent ausschliesslich für staatsnahe Betriebe. Beherzte Jungpolitikerinnen erklären an vorderster Front, dass sie eine Quote nicht nötig haben. Ihr selber vielleicht nicht, liebe junge Frauen. Aber die Wirtschaft braucht sie. Es ist längst wissenschaftlich nachgewiesen, dass mit beiden Geschlechtern ausgewogen besetzte Gremien besser funktionieren. Wohlgemerkt; es geht nicht um eine reine Frauen-, sondern um eine Geschlechterquote. Ob sich dereinst einmal auch Jungpolitiker dagegen verwahren werden müssen, Quotenmänner zu sein?

Und was läuft sonst noch so auf der lokalen Bühne? Baschi Dürrs Kunstgeschmack gibt Anlass zu allerlei launigen Kommentaren. Die Schreibende fühlt sich an die seinerzeitige Debatte über das Werk «Feuerstätte», im Volksmund «Leiterwägeli», von Josef Beuys erinnert, die sie als Teenager in den 70er-Jahren mitbekommen hat. Hätte sich Dürr statt des «Google»-Bildes der jungen Künstlerin etwa besser den bewährten «röhrenden Hirsch in Oel» an die Bürowand hängen sollen? Kunst soll immer auch Provokation sein und zum Nachdenken anregen.

Wie dem auch sei. Allen Empörten und Verletzten, Mühseligen und Beladenen, Twitterern und Nichttwitterern, Quotenfrauen und -männern, Kunstliebhaberinnen und Kunstliebhabern - überhaupt allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein wenig Erholung und Frieden über die Festtage. Die Tage um die Sonnwende, in denen wir die Geburt Christi feiern, standen in allen Kulturen schon immer für Neubeginn und Hoffnung.