Meinung
Haltet doch einfach den Mund! Daniel Kaiser-Küblböck geht über Bord und im Internet tobt die Hetze

Daniel Kaiser-Küblböck war schon hirnlosen Kommentaren ausgesetzt, bevor er im Atlantik verschwand. Jetzt, nachdem die Suche abgebrochen wurde, erreicht der Internet-Hass neue Spitzen. Dabei gibt es nur eines zu sagen.

Martina Rutschmann
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Daniel Küblböck
29 Bilder
Eine Suchaktion nach Daniel Küblböck blieb ohne Erfolg.
Daniel Kaiser-Küblböck, wie er sich seit mehreren Jahren nennt, absolvierte zuletzt eine Schauspielausbildung am Europäischen Theaterinstitut in Berlin und war als Sänger tätig.
Küblböck war zuvor längere Zeit von der öffentlichen Bildfläche verschwunden.
Bekannt wurde er einer breiten Öffentlichkeit ...
... 2002/2003 als DSDS-Kandidat ("Deutschland sucht den Superstar"). Es war die Premiere der Castingshow.
Daniel Köblböck galt wegen seiner schrillen Art als Paradiesvogel.
Daniel Küblböck war damals erst 17 Jahre alt.
Dezember 2002: Küblböck beim Start der Casting-Show "Deutschland sucht den Superstar".
Daniel Küblbück während DSDS im Februar 2003.
7. Mai 2003: Musikproduzent Dieter Bohlen und "Deutschland sucht den Superstar"-Sänger Daniel Küblböck vor dem Finale, an dem 10 Personen teilnahmen.
Poplegende Dieter Bohlen gilt als Kopf von "Deutschland sucht den Superstar" und damals als Förderer von Küblböck.
Küblböck schied auf Platz 3 aus - unter Tränen. Er wird vom Moderatoren-Duo Carsten Sprengemann und Michelle Hunziker getröstet.
2004 nimmt Küblböck im Dschungelcamp von RTL teil, die unter dem Titel "Ich bin ein Star, holt mir hier raus" im Fernsehen läuft. Hier besteht er eine Prüfung mit Tausenden Kakerlaken.
Die damaligen Teilnehmer vor ihrem Abflug von Frankfurt nach Australien - in der Mitte Daniel Küblböck. Vorne von links: Moderatorin Caroline Beil, Ex-"Tagesschau"-Sprecherin Susan Stahnke, TV-Astrologin Antonia Langsdorf, Schauspielerin Mariella Ahrens, Schauspieler Dustin Semmelrogge. – Hinten von links: Lisa Fitz, Sänger Costa Cordalis, "Superstar" Daniel Küblböck und Sänger Werner Böhm.
Angeklagt: Daniel Küblböck im Juni 2004 in einem Gerichtssaal im Amtsgericht im niederbayerischen Eggenfelden, umringt von Journalisten.
Er hatte im Februar 2004 einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem er schwer verletzt wurde. Wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Körperverletzung wurde er angeklagt und zu einer Busse von 25'000 Euro und acht Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.
August 2004: Daniel Küblböck vor der Präsentation des Spielfilms "Daniel der Zauberer". Dieser wurde allerdings ein Flop.
Zu DSDS-Zeiten galt Küblböck als Teenie-Star – später vollführte einen Imagewandel und änderte sein Äusseres. Dieses Bild stammt von 2010.
2011 wurde er in Form von der 70-jährigen Immobilien-Millionärin Kerstin Elisabeth Kaiser adoptiert und änderte seinen Nachnamen auf Kaiser-Küblböck. (Bild von 2015)
2015 nahm der Sänger Daniel Küblböck bei der achten Staffel der RTL-Tanzshow «Let's Dance» teil. Es war sein letzter grosser Auftritt in der Öffentlichkeit.
Hier im Bild mit Tanzpartnerin Otile Mabuse, einer südafrikanischen Profitänzerin, beim Training.
Daniel Küblböck und Otlile Mabuse schafften es bei "Let's Dance" in die Top 6.
Dann schieden sie aus.
In seinen wohl letzten Tagen veröffentlicht er auf einem neuen Instagram-Accont mehrere Bilder von sich in Frauenkleidern.
Er machte sie in seiner Kabine auf dem Kreuzfahrtschiff Aidaluna. Während der Kreuzfahrt, die in Hamburg mit Ziel New York begann, wollte er Lana genannt werden.
Das Account heisst "rosa_luxemburg" – wohl in Anlehnung an die Figur Rosa, die er im Abschlussstück "Unschuld" in der Theaterschule spielte. Dazu schreibt er als Infotext: "Künstlerin / Schauspielerin / Transsexuell".
Rosa wählt im Stück den Suizid, inden sie ins Meer geht und ertrinkt.
Dies war das letzte Selfie aus der Kreuzfahrtschiff-Kabine, dass er auf dem Instagram-Account postete.

Daniel Küblböck

key/zvg

Da springt jemand von einem Kreuzfahrtschiff in den Nordatlantik – und das Netz macht dumme Sprüche. Gewiss, geistig arme Menschen und schlechten Stil gab es schon vor dem Internet. Die sozialen Medien aber bieten solchen Menschen eine Bühne. Und Gleichgesinnte ziehen mit.
Der Musiker Daniel Kaiser-Küblböck (33), bekannt aus «Deutschland sucht den Superstar» von 2002, hat sich vermutlich das Leben genommen. Über die Gründe wird spekuliert. Möglich, dass das angebliche Mobbing gegen ihn an einer Schauspielschule Auslöser war, möglich, dass es bei seiner offenbar geplanten Transformation vom Mann zur Frau Probleme gab, möglich, dass er depressiv war. Sicher ist: Dieser Mensch muss verzweifelt gewesen sein, sollte sich der Suizid bestätigen. Die Suche im Atlantik verlief bislang erfolglos.

Er war oder ist, was gemeinhin als «Paradiesvogel» bezeichnet wird. Und somit anders als die graue Masse. Vermutlich sind es aber gerade Vertreter dieser Masse, die jetzt hetzen. Weil sie keine bunten Vögel sind, sondern Langweiler und Spiesser, die sich durch das Andere gestört fühlen. Bloss: Warum? Macht es ihnen Angst, dass jemand auf der Bühne schrille Töne von sich gibt und weiblich angezogen ist, obwohl er einen Penis hat, dass jemand sagt, was er denkt und Gefühle zeigt? Oder sind sie etwa neidisch? Anders ist das widerliche Verhalten im Netz nicht zu erklären. Daniel Küblböck war schon hirnlosen Kommentaren ausgesetzt, bevor er im Atlantik verschwand. Verschwand er gar deshalb?

Es ist an der Zeit, die Hetzer dieser Erde zum Nachdenken aufzufordern: Fragt Euch mal, wo Euer Anstand geblieben ist, Eure Empathie? Ob es Euch nicht besser stehen würde, Eure menschliche Seite – sofern vorhanden – hervorzukehren? Wenn nicht, bleibt zu sagen: Haltet bitte den Mund!

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