Mein Leben im Dreiland
Im Gundeli ist das Dreiland weit weg

Wenn man vom Gundeli aus nach Deutschland oder Frankreich fahren möchte, muss man durch die halbe Stadt. Da erscheint einem das Dreiland gleich ganz weit weg, wenn man sich zehn Fahrradminuten von Kleinbasel aus zur Dreiländerbrücke gewohnt ist.

Peter Schenk
Peter Schenk
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Für manche Basler nah, für andere ziemlich fern: die Dreiländerbrücke zwischen Weil (D) und Huningue (F). (Archiv)

Für manche Basler nah, für andere ziemlich fern: die Dreiländerbrücke zwischen Weil (D) und Huningue (F). (Archiv)

Nicole Nars-Zimmer

Ich fahre nur ungern ohne Ausweis über die Grenzen. Neulich war ich mit dem Auto auf dem Weg von Basel nach Saint-Louis schon fast am Lysbüchel, als ich gemerkt habe, dass ich mit der falschen Tasche und also ohne Reisepass unterwegs war. Als Deutscher mit Wohnsitz im Ausland habe ich schon seit Jahren kein Anrecht mehr auf eine ID. Das ist unpraktisch, denn die hat man ja in der Regel in der Geldbörse dabei, an den grösseren Pass aber muss man immer denken. Es ist dann natürlich nichts passiert, obwohl ich auch noch in Weil am Rhein war: Ich wurde immer durchgewunken.

Ich kann mich in den letzten 15 Jahren sowieso nur an eine intensive Kontrolle erinnern. Das war, als die OSZE in Basel tagte. Pass, Aufenthaltsgenehmigung, Fahrausweis, Autopapiere, und dann noch den Kofferraum öffnen ... Ich hatte ja nichts zu verbergen, aber dennoch fühlte sich das unangenehm an. Zum Glück ist das die grosse Ausnahme, und bei den vielen Grenzübergängen, die allein der kleine Kanton Basel-Stadt mit dem angrenzenden Frankreich und Deutschland teilt, aufgrund der Personalsituation der Grenzwache auch kaum anders zu machen. Schon vor Schengen konnte bei weitem nicht jeder kontrolliert werden. 60 000 Grenzgänger kommen täglich in die Region Basel: Man stelle sich das Chaos vor.

Auf meiner Fahrt ohne Pass wollte ich zu meiner elsässischen Schneiderin, die leider in Pension geht. Bei ihr liefen im Hintergrund immer deutsche Schlager oder elsässische Folklore, und der eine oder andere Nippes schmückt den Laden. Neben Französisch spricht sie natürlich Dialekt. Das wird jetzt anders: Ihre Nachfolgerin hat einen Innenarchitekten zum Mann, ist in Frankreich geboren, aber stammt aus der Türkei. Auf jeden Fall wird das Geschäft in Zukunft anders aussehen.

Ich werde mir das anschauen: Schon weil ich neugierig bin und die Schneiderin mir ihre Nachfolgerin empfohlen hat. Nach einem kurzen Schlenker über Weil am Rhein, wo ich zu meinem Schuhmacher wollte und im italienischen Supermercato Little Italy eine Prise tiefstes Italien schnupperte, machte ich mich auf den Weg ins Gundeli. Eine Freundin hatte mir dort ihre Garage geliehen, um meinen PW während der Ferien unterzustellen. Sonst muss man in Basel ja dafür sorgen, dass Freunde aufpassen, damit das Auto wegen eines Umzugs nicht auf einmal im Parkverbot steht.

Da ist mir klar geworden, dass man vom Gundeli durch die halbe Stadt fahren muss, um nach Frankreich oder Deutschland zu kommen. Ähnlich wie im Oberbaselbiet ist das nahe Dreiland auf einmal ganz weit weg, während ich von meiner Wohnung im Kleinbasel mit dem Velo in gut zehn Minuten an der Dreiländerbrücke bin. Kürzlich hat mir ein Arbeitskollege, der im Oberbaselbiet aufgewachsen ist, erzählt, dass er das erste Mal in seinem Leben in Lörrach war. Ihm war das peinlich, ich finde das verständlich.

Zwei Nachträge zu meiner Kolumne über Bancomaten: Im Ausland mit der EC-Karte Euro abzuheben, kostet bei der Migros Bank 5 Franken und nicht 4, wie fälschlich geschrieben. Meiden sollte man die Bancomaten der Sparkasse Markgräflerland. Diese verlangt zusätzlich eine Gebühr von 4.75 Euro.