InterGGA
Jetzt hat das Problem die TV-Bildschirme erreicht

Der Zank zwischen der Kabelnetzbetreiberin InterGGA und ihrem Provider weitet sich nun auch auf die Bildschirme ihrer rund 44'000 Kunden aus. Nun gilt es, Schadensbegrenzung zu betreiben.

Boris Burkhardt
Boris Burkhardt
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Ein Mädchen schaut Fernsehen in einer Wohnung (Symbolbild)

Ein Mädchen schaut Fernsehen in einer Wohnung (Symbolbild)

Keystone

Der 17. Januar 2012 war der Tag, an dem die unendliche Geschichte begann. Zehn Jahre lang hatte die InterGGA AG, Kabelnetzbetreiberin für rund 44'000 Telefon-, Fernseh- und Internet-Anschlüsse in 13 Gemeinden des Birs- und Leimentals, relativ geräuschlos ihre Aufgaben erfüllt. Doch seit jenem 17. Januar 2012 will die Aktiengesellschaft nicht mehr zur Ruhe kommen.

In insgesamt vier Wellen wurden der InterGGA in den vergangenen zweieinhalb Jahren von jeweils verschiedenen Seiten Vorwürfe angetragen, die von Konzeptlosigkeit über Verletzung der Aufsichtspflicht bis zur persönlichen Vorteil- und politischen Einflussnahme reichten. Die Vorwürfe betrafen meist das Gebaren des Verwaltungsrats direkt, der mal im Clinch mit den Produzenten der lokalen Nachrichtensendung «Regio TV Plus», mal mit den Aktionärsgemeinden selbst lag, und aktuell mit seiner scheidenden Providerin Improware, die der neuen Anbieterin Quickline unterlag.

Alle Vorwürfe waren bisher relativ belanglos für die Öffentlichkeit, die keinen Einblick hinter die Kulissen der kommunal-medienpolitischen Schacherei hatte. Zumal alle bisherigen Vorwürfe entweder durch ein klares Gerichtsurteil ad acta gelegt wurden oder still und leise im Sand verliefen.

Doch jetzt ist es anders: Der Zank zwischen der ausgebooteten und der neu hofierten Providerin, Improware und Quickline, findet zum ersten Mal nicht mehr hinter den Kulissen statt, sondern strahlt bis auf die Fernsehbildschirme der 44'000 Anschlüsse aus. Ein Unternehmen wie die InterGGA mag sich aus einem heftigen Gewitter der Geschäftspartner und Politiker einigermassen trocken retten können; die Kunden verzeihen ihm jedoch nicht so schnell, wenn sie selbst betroffen sind.

Grosser Knall statt Diplomatie

Was passiert mit dem bisherigen Internet-Angebot von 9,90 Franken? Muss man wirklich 50 Franken Mitnahmegebühr für die Telefonnummer zahlen? Braucht es unbedingt ein neues Modem für viel Geld? Karl Schenk, Oberwiler Gemeinderat und Verwaltungsratspräsident der InterGGA, wird im Vorfeld des Wechsels zu Quickline nicht müde, seinen Kunden zu versprechen, dass die Umstellung zwar «ein bisschen Aufwand» bedeute, sich im Endeffekt aber dank der neuen Produkte lohne.

Nun haben sich die Dinge wesentlich verkompliziert. Es ist der Aescher Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger in ihrer Aussage vor anderthalb Wochen hundertprozentig zuzustimmen, dass die InterGGA die Situation unterschätzt hat. Schon im ersten Streit mit «Regio TV Plus» am 17. Januar 2012 beharrte die InterGGA stur auf ihren Positionen und zeigte keinen Willen, den Teufelskreis der gegenseitigen Schuldzuweisungen zu durchbrechen. Auch jetzt liess sie es bei der geschassten Improware auf den grossen Knall ankommen, statt mit mehr Diplomatie den Schaden für sich selbst und vor allem für die Kunden zu begrenzen.

Mit dem Wechsel von Schenk an die Spitze des Verwaltungsrats im Juni 2012 hat die InterGGA zweifellos einen grossen Schritt nach vorne getan: Sie präsentiert sich heute als modernes Dienstleistungsunternehmen. Die ansprechenden Farben, die benutzerfreundliche Homepage und das frische Logo überdecken den Mief, der trotz des Prinzips der Unschuldsvermutung von all den Vorwürfen der Vergangenheit geblieben ist. Dass die InterGGA nun noch aktiver auf ihre Kunden zugehen muss, hat sie unter Schenk verstanden und umzusetzen begonnen. Dass zu einer guten Dienstleistung ein möglichst geräuschloses Geschäftsumfeld zwingend ist, muss sie jetzt noch verinnerlichen.