Gastkommentar
Kein Denkverbot zum Gundelitunnel

Mit seinem Gastkommentar zur aktuellen verkehrspolitischen Debatte legt sich der Basler Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels mit seiner eigenen Partei, der SP, an.

Hans-Peter Wessels
Hans-Peter Wessels
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HO

Beim Thema Strassen gehen die Emotionen hoch. So auch beim Gundelitunnel, der dereinst als Teil einer stadtnahen Tangente realisiert werden könnte. Noch ist das Zukunftsmusik. Es ist ein langfristiges Szenario, das wir gemeinsam mit unserem Partnerkanton Basel-Landschaft und dem Bund sorgfältig anschauen wollen. Für die Basler Regierung ist seit langem klar: Der Gundelitunnel macht nur Sinn als Teil eines Autobahnrings um Basel, der dafür sorgt, dass der Durchgangsverkehr unter den Boden verschwindet. Ein isolierter Gundelitunnel ohne Anschluss an die Nordtangente – ein «Blinddarm» quasi – schafft hingegen mehr Probleme als er löst und kommt für den Regierungsrat nicht infrage. Zu diesem Wort stehen wir – bisher, heute und auch in Zukunft.

Nun verlangt die viel diskutierte Motion von Grossrätin Dominique König-Lüdin einen definitiven Entscheid gegen den Gundelitunnel und fordert zudem, dass sich der Regierungsrat verbindlich und für alle Zeiten gegen jeglichen Ausbau von Strassenkapazitäten im Perimeter des Gundelitunnels einsetzt. Kurz: Punkto Gundelitunnel und Autoverkehr im Gundeli soll ein Denkverbot verhängt werden. Der Grosse Rat wird voraussichtlich im April darüber entscheiden. Ich hoffe, dass der Grosse Rat auf diesen radikalen Schritt verzichtet. Warum auch sollte man sich ein künstliches Verbot auferlegen, über ein künftiges Projekt zu Gunsten der eigenen Bevölkerung nachzudenken?

Die Nordtangente hat es vorgemacht: Das St. Johann, das Horburg- und das Klybeck-Quartier wurden vom Durchgangsverkehr entlastet und gewannen dadurch eine völlig neue Lebensqualität. Der Gundelitunnel, als Teil einer ebenfalls noch zu bauenden stadtnahen Tangente, könnte eine ähnlich positive Wirkung entfalten. Dieses Mal würden das Gundeli, Binningen, Allschwil sowie die Quartiere Iselin, Gotthelf und Bachletten profitieren. Gerade im Gundeli ist der Anteil des Durchgangsverkehrs sehr hoch: Mehr als die Hälfte der Autos, die auf den beiden Hauptachsen Gundeldingerstrasse und Dornacherstrasse unterwegs sind, haben ihr Ziel nicht im Quartier. Diese Fahrten könnten in einen Tunnel unter dem Quartier verlagert werden. Was weniger Lärm, mehr Sicherheit und bessere Luft im Gundeli bedeuten würde.

Die Region Basel wächst – und der Verkehr wächst zwangsläufig mit. Damit insbesondere der massiv zunehmende Pendlerverkehr die Lebensqualität der Basler Bevölkerung nicht gefährdet, muss der zusätzliche Verkehr so stadtverträglich wie möglich abgewickelt werden. Aus diesem Grund baut Basel den öffentlichen Verkehr gemeinsam mit den Partnern im Umland stark aus und fördert das Velofahren. Dennoch lässt sich eine Zunahme des Autoverkehrs in den nächsten Jahren und Jahrzehnten nicht vermeiden.

Um den unvermeidlichen, zusätzlichen Autoverkehr möglichst aus den Wohnquartieren fernzuhalten, setzt Basel auf der einen Seite auf die Verkehrsberuhigung in den Quartieren: Mehr Tempo-30-Strecken und mehr Begegnungszonen mit Tempo 20. Auf der anderen Seite muss parallel dazu das Autobahnnetz gestärkt werden, damit dieses den Mehrverkehr aufnehmen kann. Nur so wird es gelingen, die Lebensqualität in den Wohnquartieren langfristig zu erhalten oder zu verbessern. Genau hier könnte eine stadtnahe Tangente einen wichtigen Beitrag leisten.

Ob der Gundelitunnel als Bestandteil einer Ringlösung jemals gebaut wird, wird die Zukunft weisen. Zum heutigen Zeitpunkt sollten wir uns diese Option jedoch nicht durch ein unnötiges Denkverbot nehmen lassen. Neben den meisten Bürgerlichen haben dies auch etliche linke Politikerinnen und Politiker erkannt. Der Vorstand der SP Gundeldingen-Bruderholz hat sich gar geschlossen gegen die Motion König-Lüdin ausgesprochen. Ein starkes Zeichen, das hoffentlich auch im Grossen Rat wahrgenommen wird!