Mein Leben im Dreiland
Lieber mit dem Tram als mit dem Velo nach Weil

Kürzlich hat der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann in Lörrach den Startschuss für die landesweite Radnetz-Beschilderung gegeben. Doch der Radweg ist alles andere als velofreundlich.

Peter Schenk
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Radweg

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Peter Schenk
Bei der Friedensbrücke in Weil am Rhein wird der Velofahrer in Richtung Basel auf das Trottoir geführt. Der Platz ist ausreichend.

Bei der Friedensbrücke in Weil am Rhein wird der Velofahrer in Richtung Basel auf das Trottoir geführt. Der Platz ist ausreichend.

Peter Schenk

Kürzlich hat der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann in Lörrach den Startschuss für die landesweite Radnetz-Beschilderung gegeben. Das Velonetz umfasst insgesamt rund 7000 Kilometer und der Landkreis Lörrach werde so «Pilotlandkreis für die Umsetzung der wegweisenden Beschilderung», liess sich die Chefin des Landkreises, Marion Dammann, in einer Medienmitteilung zitieren.

Den Bürgern solle so einfache Orientierung auf ihren alltäglichen Wegen geboten werden. «Voraussetzung für die Beschilderung als Radnetz ist, dass die Strecken Mindeststandards entsprechen und damit eine sichere Befahrbarkeit gewährleistet ist.» Insgesamt entsprechen im Landkreis 199 von 638 Kilometern ausgewiesenen Velowegen dem Standard, um zum neuen Radnetz zu gehören. Um es von normalen Wegen zu unterscheiden, wurde die Marketingbezeichnung «RadNETZ» erfunden.

Die Weiler, die bisweilen mit der Nachbarstadt Lörrach eine ähnlich wenig freundschaftliche Verbindung wie Basel mit Zürich pflegen, werden es nicht gerne lesen: Aber dass der Minister den Startschuss für das Programm in der grösseren Nachbarstadt und eben nicht in Weil gegeben hat, macht für mich durchaus Sinn. Die Velowegführung entlang der 8er-Tramverlängerung nämlich ist gründlich danebengegangen.

Kommt man von Basel mit dem Velo vom Zoll Hiltalingerstrasse und fährt nach dem Kreisel rechts in die Hauptstrasse durch Friedlingen in Richtung Tramendhaltestelle, mag das ja bis zur Autobahnbrücke hinter der Riedlistrasse nach gehen. Bis dorthin teilen sich Velofahrer und Fussgänger das Trottoir und mit ein wenig Rücksichtnahme – auch wenn das bei den Tramhaltestellen etwas schwieriger wird – ist das zu machen. Hat man indes die Autobahn unterquert, ist auf der Fahrbahn, die auf die Friedensbrücke führt, ein Veloweg markiert. Die Fahrspur ist allerdings so eng, dass schon normale Autos kaum am Velofahrer vorbeikommen, geschweige denn Camions – dann wird es richtig gefährlich.

Zum Glück ist die Nutzung des Trottoirs trotz Velospur auf der Strasse weiter gestattet. Ganz merkwürdig wird es auf dem Rückweg. Auf der Friedensbrücke werde ich zuerst in Richtung Friedlingen wieder auf das Trottoir geführt. Das geht gut und es ist auch breit genug. Auf der Abfahrt von der Brücke, vielleicht 100 Meter vor einer Ampelanlage mit einer Abbiegespur nach rechts, taucht auf einmal wieder die Velospur auf der Strasse auf. Nur, es gibt keine Absenkung des zehn Zentimeter hohen Kantsteins. Da bleibt nichts anderes übrig als anzuhalten und das Velo auf die Strasse zu heben – auch hier ist die Spur wieder gefährlich schmal. Einmal in Friedlingen angekommen, frage ich mich schliesslich, ob ich hinter Lieferadress-Service und Sparkasse wieder auf dem Trottoir fahren darf oder nicht.

Ich habe mich beim Gesamtprojektleiter Tram der Stadt, Rudolf Koger, schlau gemacht. Es stellt sich heraus, dass auch Koger mit dem derzeitigen Zustand nicht glücklich ist.

Ursprünglich sei geplant gewesen, die Velospur konsequent auf dem Trottoir zu führen. Nach Beschwerden von Velofahrern, denen das nicht passte, wurde nachgebessert. Was dabei rausgekommen ist, hat keine Auszeichnung als «VeloNetz» verdient.

Einen kurzen Nachtrag zur vorletzten Kolumne muss ich noch liefern. Ein Journalistenkollege hat mich mit Recht darauf hingewiesen, dass man Schrauben und Haken in der Stadt Basel nicht nur bei Jumbo erhält. Er empfiehlt Tschopp in der Steinentorstrasse 18, noch dazu mit einer «phänomenalen» Beratung. Ich werde es ausprobieren.