Unsere kleine Stadt
Margarethenstich: Ein Vorschlag zur Güte

Unsere kleine Stadt zurück auf Feld 1 – oder Rang 1? Zum Autor: Daniel Wiener ist in Liestal aufgewachsen und lebt in Basel. Er ist Journalist, Kulturmanager, Unternehmer und Berater.

Daniel Wiener
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Gerade beim öffentlichen Verkehr waren beide Basel einmal Pioniere. Was ist geschehen?

Gerade beim öffentlichen Verkehr waren beide Basel einmal Pioniere. Was ist geschehen?

Juri Junkov

Selbst auswärtige Medien beobachten mit Grausen, wie sich das Verhältnis beider Basel dem Gefrierpunkt nähert. «Die Basler Sinnkrise» titelte am Montag vergangener Woche der Zürcher Tages-Anzeiger. Und das Zerwürfnis hat konkrete Folgen. Es führt zum Beispiel dazu, dass die Region im wörtlichen Sinn den Zug zu verpassen droht: So erwartet etwa der Bund einen zuverlässigen regionalen Partner und keinen ungeordneten Haufen, wenn es um die Finanzierung des «Herzstücks» der Regio S-Bahn geht. Als der Bundesrat kürzlich 11,5 Milliarden Franken auf Bahnprojekte im ganzen Land verteilte, erhielt die gut organisierte Region Zürich den Löwenanteil. Mit der Begründung, dort sei die Nachfrage am grössten. Dies ist zwar richtig, aber wiederum eine Folge früherer Bundes-Geldspritzen, die bereits zwei Durchmesserlinien finanzierten.

Wo es hingegen so wenig S-Bahnen gibt wie rund um Basel, kann die Nachfrage gar nicht vergleichbar sein. Auch nicht pro Kopf der Bevölkerung. Das Argument des «Nachholbedarfs» stach nicht. Vielmehr obsiegte das neutestamentliche Prinzip von Matthäus 25, Verse 29 und 30. Es lohnt für einmal, diese vollständig zu zitieren und sich die Aktualität ihrer Aussage auf der Zunge zergehen zu lassen: «Wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch genommen werden, was er hat. Und den unnützen Knecht werft hinaus in die Finsternis. Da wird sein Heulen und Zähneklappern.»

Solches «Heulen und Zähneklappern» zu vermeiden, ist das Gebot der Stunde. Beide Basel müssen sich aufraffen und neu orientieren. Politikerinnen und Politiker, die weiterhin Öl ins Feuer der Partnerschaft giessen, sind abzuwählen. Aufhören muss auch: Je nach Bedarf den jammernden Bettler zu mimen, um möglichst wenig bezahlen zu müssen, um sich bei nächster Gelegenheit aufzuplustern, um das Maximum an Stimmrechten in gemeinsamen Institutionen zu ergattern. Partnerschaft ist nur möglich, wenn beide Seiten in allen Belangen gleichberechtigt und gleichverpflichtet sind. Sonst sind wir selbst schuld, wenn Spitäler, Kultur, Mobilität und bald auch die Universität in biblischer Finsternis versacken.

Gerade beim öffentlichen Verkehr waren beide Basel einmal Pioniere. Besinnen wir uns darauf zurück, was hiesigen Erfindungen wie Tarifverbund und Umweltabonnement Flügel verlieh: Es waren Ideen, die zündeten und gemeinsam rasch realisiert wurden. Am Beispiel des Margarethenstichs könnte dies heissen: Innert eines Jahres, zum Fahrplanwechsel im Dezember 2018, könnten BLT und BVB gemeinsam eine Buslinie von Ettingen durch das Leimental an den Bahnhof SBB auf die Beine stellen. Von dort ginge die Fahrt weiter über die Wettsteinbrücke zum Badischen Bahnhof und zur Erlenmatte. Es muss nicht von Anfang an alles perfekt sein. Doch wären damit Lücken günstig und rasch geschlossen, die durch zwei abgelehnte Tramnetz-Erweiterungen der letzten Jahre entstanden sind. Die Nachfrage liesse sich konkret messen. Bei Bedarf könnten die Verkehrsbetriebe schrittweise grössere Busse einsetzen.

Mit einem solchen Test müssten sich alle Befürworter und Gegner des Trams am Margarethenstich und zur Erlenmatte einverstanden erklären können. Sollte sich zeigen, dass diese Verbindung tatsächlich funktioniert, gibt es viele Möglichkeiten: Entweder lassen sich die Tram-Gegner vom allfälligen Erfolg überzeugen. Und die Schienenverbindungen am Margarethenstich und im Kleinbasel könnten gebaut werden.

Oder die Tram-Fans würden das Potenzial neuer Bustechnologien entdecken: Die Firma Hess im Solothurnischen Bellach bietet beispielsweise Gelenkbusse an, die hybrid und demnächst rein elektrisch funktionieren und 180 Personen fassen. Also schon fast so viele wie ein Tramzug, der bis zu 250 Passagiere fasst. Und die ABB hat Schnelllade-Stationen entwickelt, die es diesen Bussen erlauben, bei jedem Halt rasch Strom zu tanken und damit den ganzen Tag reibungslos voranzukommen. Der ausschliessliche Einsatz von erneuerbarem Strom wäre das Tüpfchen auf dem i. Solche und ähnliche Initiativen, die beide Basel verbinden und inspirieren, würden die Basis legen für ein neues Vertrauen. Die Erfahrung gemeinsamer Erfolge bildet die Voraussetzung für den bitter nötigen Neuanfang in dieser Beziehung und würden die beiden Kantone anstatt zurück auf Feld 1 auf Rang 1 katapultieren.