Persönlich
Mein Basel hat vier Buchstaben

Ein Schriftzug, illegal in der ganzen Stadt hingekritzelt, ist mir zur Heimat geworden.

Michel Ecklin
Michel Ecklin
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Sprayer

Sprayer

Keystone

Nach einigen Tagen im Ausland fuhr ich neulich im Flughafenbus heimwärts. Dabei überkam mich das Gefühl, in meine Heimat zurückzukehren – obwohl in unserer globalisierten Welt so vieles ähnlich aussieht. Da erblickte ich aus dem Fenster den Schriftzug NOFX. Und auf den wenigen Minuten Fahrt noch unzählige Male, winzig oder metergross, gesprayt, gemalt oder hingekritzelt, auf Wänden, Strassenlaternen und Haustüren: NOFX, NOFX, NOFX. Viele Basler werden sich über die Schmierereien aufregen (würde ich mich als Hausbesitzer auch). Andere wundern sich, was Subkultur hervorbringt. Und viele nehmen die vielen Tags wohl gar nicht erst wahr.

Doch für mich ist NOFX ein Stück Heimat. Beim Warten aufs Tram habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, alle sichtbaren NOFX zu zählen. Sie gehören zu meinem Alltag wie für andere Strassenschilder. Inzwischen ist mir NOFX, wer auch immer dahinter steckt, ans Herz gewachsen.

Zu Hause angekommen, sah ich, dass die Briefkästen unseres Wohnhauses im Kleinbasel neu gestrichen waren. Damit war auch ein NOFX verschwunden, das mich jeden Morgen beim Holen der bz angelächelt hatte. Überhaupt entdecke ich im – an Kritzeleien nicht armen – Kleinbasel weniger NOFX als auch schon. Vielleicht ist der Urheber zu alt zum Sprayen, hat den Namen gewechselt oder ist von der Polizei erwischt worden. Jedenfalls verschwindet so ein Stückchen meines Basels. Allerdings taucht schon ein neues an Horizont auf. Neulich liest man an den Basler Wänden nämlich wieder öfter FTP.