Stadt versus Land
Passt das von der Stadt verschmähte Riehen zum Land?

In Riehen fühlt man sich von der Stadt Basel und ihrem Regierungspräsidenten missachtet und getriezt. Sollte man in der Basler Landgemeinde einen Kantonswechsel ins Auge fassen?

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Riehen soll in kantonalen Angelegenheiten mitbestimmen – und in kommunalen Basler Angelegenheiten schweigen.

Riehen soll in kantonalen Angelegenheiten mitbestimmen – und in kommunalen Basler Angelegenheiten schweigen.

Martin Toengi
Bojan Stula

Bojan Stula

bz

Riehen, lass Dir eine solche Behandlung nicht gefallen!

Was für eine Frechheit! Guy Morin will, dass Riehener bei städtischen Vorlagen nicht mehr abstimmen. Darauf gibts nur eine Antwort.

Liebe Riehenerinnen und Riehener, mit Betrübnis lesen wir von den Methoden, mit denen Euch der grüne Stadtkönig Guy Morin in Knechtschaft nehmen möchte. Dies tarnt er als Aufforderung zur Nichteinmischung in Stadt-Interna. Diese Masche kennen wir auf dem Lande zur Genüge. Denkt daran, es waren die städtischen Patrizier, die die rebellischen Landgemeinden 1831 aus dem Kanton Basel warfen und damit die Kantonstrennung provozierten. Wie 1832 gibt es nur eine Antwort darauf: Verlasst den Kanton Basel-Stadt und schliesst Euch dem freiheitsliebenden Baselbiet an!

Hier bei uns ist es nämlich so, dass der Kanton bloss das Gefühl hat, die Gemeinden knechten zu können. In Wirklichkeit sind es die Gemeinden, die den Kanton vorführen. Inzwischen reicht bloss die Androhung einer Gemeindeinitiative, dass die Regierungsräte in Liestal in Schockstarre verfallen. Meistens jedenfalls. Und wenn die Gemeinden wirklich ihre Muskeln spielen lassen wollen, schliessen sie sich zu einer Planungsregion zusammen. In Eurem Fall wäre das die Plattform Leimental Plus . . . äh, nein, besser die Birsstadt . . . äh, oder doch die Landsgemeinde Laufental . . . na, egal, wir finden schon etwas Hübsches für Euch. Hauptsache, wir können die Stadt endlich mal so richtig in die Zange nehmen! Dass wir Euch nur wegen Eurer fetten Steuererträge wollen, ist übrigens ein bösartiges, vermutlich von Guy Morin gestreutes Gerücht.

Da wir ganz Schlaue sind, bieten wir den Städtern Birsfelden als Tauschobjekt an – inklusive Jürg Wiedemanns «Starke Schule»-Gang: Die können dann weiterhin so richtig Unordnung in die viel zu harmonische Basler Harmos-Umsetzung bringen. Deal?

Nicolas Drechsler

Nicolas Drechsler

Kenneth Nars

Blätzbums statt Riehen, wieso eigentlich nicht?

Reisende soll man nicht aufhalten, Riehen, insbesondere sein rechtsbürgerlicher Teil, hat so viel gemeinsam mit der Landschaft.

Deal! Riehen mit seinen rund 21 000 Einwohnern will unbedingt ein grosses grünes Dorf sein. Das reiche, aber völlig überalterte «Dorf» etabliert sich als konservativster Teil des Stadt-Kantons. Es ist diese Sehnsucht nach der dörflichen Idylle, die Riehen einzigartig macht. Diese Selbstgenügsamkeit, die es einem erlaubt, Velofahrer im Wenkenpark für die grösste Gefahr seit Attila dem Hunnen zu halten.

Mit dem könnte man als Städter leben. Doch die Landgemeinde strapaziert die urbanen Nerven mit ihrer unfassbaren Weinerlichkeit. Es mutet schon fast basellandschäftlich an, was insbesondere die gründörfliche SVP über die trennende Wiese jömmerlet: «Die Städter haben uns nicht mehr lieb!» «In der Stadt gibt es nur Linke und Kriminelle und Ausländer und linke ausländische Kriminelle!» So betrachtet, würde ein Wechsel Riehens zum Landkanton durchaus Sinn machen.
Da könnte man gemeinsam die Realitäten leugnen und sich in einer längst vergangenen bäuerlichen Scheinwelt wähnen. Und die Steuern tief halten, das mögen die Riehener fast so gerne wie die Landschäftler.

Wir bekämen dafür Birsfelden. Das heisst vor allem: jüngere Menschen. Dazu die Kraftwerksinsel, da könnten wir Stadtentwicklung betreiben, dass die Schwarte kracht. Wir hätten endlich den grösseren Teil des Birsköpflis und ein weiteres Stück Hafenareal. Und das Sternenfeld wird wieder ein Flugplatz. Die Blätzbumser dürfen im Gegenzug an der einzig richtigen Fasnacht mitmachen und wären endlich Bürger der gut 2000 Jahre alten Stadt Basel statt Einwohner eines abgefallenen Stücks von Muttenz. Ach übrigens: Die Fondation Beyeler würde dann nach Basel umziehen, mit der Hochkultur habt ihr es ja nicht so im Landkanton.