Kommentar
Rechtsextremer Terroranschlag in Halle: «Eskalation hat sich abgezeichnet»

Auslandskorrespondent Christoph Reichmuth über den Terroranschlag auf Juden in der deutschen Stadt Halle.

Christoph Reichmuth aus Berlin
Christoph Reichmuth aus Berlin
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Die Trauer in Halle ist gross. (Bild: Keystone)
43 Bilder
Die Menschen Gedenken der Opfer. (Bild: Keystone)
Der Täter wird die letzten Meter zum Gericht gefahren. (Bild: Keystone)
Der Attentäter von Halle. (Bild: Keystone)
Tiefe Trauer in Halle. (Bild: Keystone)
Ein Meer aus Licht in dieser dunklen Stunde. (Bild: Keystone)
Eine junge Frau zündet am Gedenkort eine Kerze an. (Bild: Keystone)
Der Terrorist auf dem Weg zum Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe. (Bild: Keystone)
Der Täter wurde per Hubschrauber eingeflogen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind immens. (Bild: Keystone)
Trauerbekundungen überall. (Bild: Keystone)
Wer schweigt, stimmt zu. (Bild: Keystone)
Die Menschen trauern in Halle. (Bild: CLEMENS BILAN)
«Kein Platz für Antisemiten»: (Bild: CLEMENS BILAN)
Die Bevölkerung trauert um die Opfer des Attentats. (Bild: CLEMENS BILAN)
Auf dem Marktplatz in Halle werden Blume und Kerzen niedergelegt. (Bild: CLEMENS BILAN)
Der Eingang zur Synagoge in Halle. Auch hier liegen Blumen und Kerzen. (Bild: FILIP SINGER)
Kerzen, Blumen und ein Zettel "In tiefer Trauer! Alle gemeinsam gegen Hass und Unmenschlichkeit!" liegen vor der Synagoge. (Bild: JAN WOITAS)
Max Privorozki, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Halle, gedenkt vor der Synagoge der Opfer. (Bild: JAN WOITAS)
Blumen und Kerzen in Gendenken an die Opfer in Halle liegen vor der Synagoge Hamburg. (Bild: Carola Große-Wilde)
Ein ein dunkelgraues Auto, das mutmaßliche Auto des Täters, wird von einem Abschleppwagen bei Wiedersdorf/Landsberg abgeschleppt. (Bild: keystone-sda.ch)
Hier schiesst der Täter um sich. (Bild: ANDREAS SPLETT)
Markierungen der Polizei sind auf der Straße vor einem Dönerladen zu sehen. (Bild: JAN WOITAS)
Markierungen der Polizei sind auf dem Fußweg vor einem Dönerladen zu sehen. (Bild: JAN WOITAS)
Die Tür der Synagoge in Halle weist Spuren von Beschuss auf. (Bild: JAN WOITAS)
Markierungen der Polizei kleben um einen Einschuss in der Schaufensterscheibe eines Dönerladens in Halle. (Bild: JAN WOITAS)
Schwer bewaffnete Polizisten vor einer Synagoge in Halle: Ein Rechtsextremist hat am Mittwoch zwei Menschen erschossen. (Bild: Robert Michael/dpa/AP)
Zwei weitere Menschen hat der Attentäter schwer verletzt. (Bild: KEYSTONE/AP DPA/SEBASTIAN WILLNOW)
Polizei-Grenadiere der Sondereinheit GSG9 – der Täter wurde festgenommen. (Bild: Süddeutsche Zeitung)
Die Polizei stand zunächst vor einem Rätsel, was das Motiv für die gezielten Schüsse in Halle war. (Bild: KEYSTONE/AP DPA/SEBASTIAN WILLNOW)
Der Täter beim Schusswechsel mit der Polizei. (Bild: Twitter)
Es wird vermutet, dass der Täter einen Granatwerfer verwendete. (Bild: Twitter)
Der Täter in der Stadt Halle: Er wollte in der Synagoge ein Blutbad unter den 80 Gläubigen anrichten. (Bild: Twitter)
Der Täter wollte nach Angaben des Zentralrats der Juden mit Waffengewalt in die Synagoge eindringen. (Bild: MDR – Mitteldeutscher Rundfunk)
Danach soll der Mann vor der Synagoge und in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen haben. (Bild: Twitter)
Er floh vom Tatort und wurde am Nachmittag festgenommen. (Bild: Süddeutsche Zeitung)
Erst nach langen Stunden des Wartens wurde klar, dass es sich um einen Einzeltäter handelte. (Bild: Twitter)
Innenminister Horst Seehofer sprach am Abend von einem antisemitischen Motiv. (Bild: EPA)
Die Einsatzkräfte vor Ort - der Täter hat seine Tat gefilmt und das Video ins Internet gestellt. (Bild: MDR – Mitteldeutscher Rundfunk)
Die Polizei sperrte die Gegend weiträumig ab. (Bild: MDR – Mitteldeutscher Rundfunk)
Die Zu- und Abfahrtsstrassen wurden gesperrt. (Bild: MDR – Mitteldeutscher Rundfunk)
Sämtliche Einsatzkräfte wurden mobilisiert. (Bild: MDR – Mitteldeutscher Rundfunk)
(Bild: MDR – Mitteldeutscher Rundfunk)
(Bild: MDR – Mitteldeutscher Rundfunk)

Die Trauer in Halle ist gross. (Bild: Keystone)

Juden in Deutschland können sich nicht sicher fühlen. Ihre Synagogen müssen polizeilich bewacht werden, nur wenige wagen sich mit Kippa auf die Strasse. «Jude»gilt auf Pausenhöfen als Schimpfwort. Jüdische Gläubige werden auf offener Strasse attackiert. Ja, es gibt den «importierten» Antisemitismus durch Zuwanderer, der durch den Nahost-Konflikt begründet ist. Das Gros der antisemitischen Übergriffe in Deutschland ist aber rechtsextrem motiviert.

Offenkundig haben die Sicherheitsbehörden die Gefahr von rechts bislang unterschätzt, der Fokus lag auf der Abwehr von islamistischem Terror. Dabei waren die Anzeichen schon lange sichtbar. Das rechtsextreme Terror-Trio der Gruppierung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) agierte jahrelang unentdeckt und tötete neun Migranten und eine Polizistin.

Der rechte Terror zeigte sich letztes Jahr in Chemnitz und im Juni beim Mord an einem CDU-Politiker. Die extreme Rechte fühlt sich auch deshalb bekräftigt, weil in der Politik das Gedankengut von einer Auflehnung des Volkes gegen die bestehende liberale Ordnung wieder propagiert wird.

Zur Gefahrenabwehr gehört nicht zuletzt Bildung. 40 Prozent der 18- bis 34-jährigen Deutschen gaben in einer Studie 2018 an, nichts bis wenig über den Holocaust zu wissen. Antisemitismus gibt es auch anderswo. Aber Deutschland hat eine besondere Verantwortung im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus.

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