Mein Leben im Dreiland
Reisen mit dem Museums-Pass-Musées

320 Museen sind Mitglied beim Museums-Pass-Musées. Freien Eintritt erhält man damit bis nach Metz, Stuttgart und Bern. Ein Besuch in Metz, der lothringischen Hauptstadt des Departements Moselle, ist nicht nur kulturell, sondern auch geschichtlich lohnend.

Peter Schenk
Peter Schenk
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Kolumne Museumspass
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Innenansicht des Centre Pompidou vom Fahrstuhl aus.
Das Haus von Robert Schumann.

Kolumne Museumspass

bz Basel

Als der Oberrheinische Museums-Pass 2012 begann, seinen Geltungsbereich ständig auszuweiten, erschien das wie ein fertiger Blödsinn. Wer fährt schon Hunderte Kilometer nach Stuttgart, Metz oder Nancy, nur um ins Museum zu gehen? Die Stunde Zugfahrt ins Berner Kunstmuseum oder ins Zentrum Paul Klee scheint da schon eher machbar.

Verbindet man kleine Reisen mit den vielfältigen Angeboten des Museums-Pass-Musées, wie er heute heisst, kann dies aber durchaus inspirierend sein. So gibt es im lothringischen Metz seit 2010 einen Ableger des Pariser Centre Pompidou. Allein die Architektur des Gebäudes lohnt die Reise. Die gläsernen Fahrstühle geben den eindrücklichen Blick auf eine tragende Holzstruktur frei. Der Eintritt ist mit dem Pass frei.

Metz entpuppt sich auch für den zeitgeschichtlich interessierten Besucher als von Interesse. Mit dem neu geschaffenen Departement Moselle fiel die Stadt nach dem Deutsch-französischen Krieg 1870/71, den die Franzosen verloren, an das Deutsche Reich. Kaiser Wilhelm II. stattete Metz mit einem neuen Quartier mit imposanten Bauten wie dem Bahnhof oder den Postämtern aus, die seinen Machtanspruch symbolisieren sollten.

Die Geschichte des Deutsch-französischen Krieges und der Besatzungszeit, die 1918 mit dem Sieg der Franzosen im Ersten Weltkrieg enden sollte, wird eindrücklich in einem hochmodernen und interaktiven Museum in Gravelotte, zehn Kilometer von Metz, dargestellt. In dem Dorf kam es allein durch die Kämpfe am 16. August 1870 zu 32 000 Toten, Verletzten oder Vermissten.

Wie das Elsass wurde das Departement Moselle im Zweiten Weltkrieg von den Nazis annektiert. Von den 130 000 Zwangseingezogenen stammten 30 000 aus Lothringen. Da ist es um so eindrücklicher, dass Robert Schumann, der Vater Europas und der deutsch-französischen Aussöhnung, aus Lothringen kommt. Auf dem Rückweg von Gravelotte kann man in Scy-Chazelles das Haus besichtigen, in dem er von 1926 bis zu seinem Tod 1963 gelebt hat. Wie in Gravelotte gilt der Museums-Pass.

320 Museen sind jetzt Mitglied. Da lässt sich die Preiserhöhung von fünf Franken auf Anfang Jahr verkraften. Wer sparen muss: Im Euroland ist der Pass 17 Franken billiger als in der Schweiz.

peter.schenk@bzbasel.ch

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