Kommentar
Spalenberg, Ballenberg

Patrick Marcolli
Patrick Marcolli
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Der Spalenberg wird wegen Corona schon zum zweiten Mal zum Ballenberg: Hübsch in der Anmutung, leblos im Kern.

Der Spalenberg wird wegen Corona schon zum zweiten Mal zum Ballenberg: Hübsch in der Anmutung, leblos im Kern.

Nicole Nars

Es gab Zeiten, und das ist noch nicht allzu lange her, da war das Dauer-Wehklagen des Basler Gewerbes kaum zu ertragen. Zu wenig Parkplätze, zu hohe Regulierungsdichte, zu viel Bürokratie, bornierte Behörden. Die Stadt gedieh trotzdem prächtig und das Lamento schien einem einzigen Zweck zu dienen: der Selbsterhaltung der Wirtschaftsverbände.

Corona ändert fast alles. Ab kommender Woche sind die meisten Läden in der Stadt wieder zwangsgeschlossen, und wir müssen schon wieder miterleben, was es heisst, wenn der Spalenberg zum Ballenberg wird: Hübsch in der Anmutung, leblos im Kern.

Selbstverständlich: Die Stadt tut finanziell sehr viel, um Existenzen zu sichern und den Gewerbetreibenden durch die Krise zu helfen. Aber es braucht mehr. Denn schon «vor Corona» war die Innenstadt eine gefährdete Zone. Wuchermieten und der florierende Handel im Internet schränkten die Diversität arg ein und trieben manchen Geschäftsinhaber in den Ruin. Nun muss die Basler Politik proaktiv tätig werden.

Statt mehr Regulierung wie durch die Einführung eines für das Kleingewerbe schädlichen Mindestlohns muss eine Phase der Deregulierung einsetzen. Und zwar jetzt, prospektiv für die Zeit nach der Pandemie.

Zum Beispiel durch eine völlige Liberalisierung der Öffnungszeiten, durch die Lockerung von Lärmvorschriften oder eine möglichst unbürokratische Nutzung der Allmend. Ob eine Mitte-links regierte Stadt wie Basel den Mut dazu aufbringt? Es ist zu bezweifeln.