Basler Kommentar
Späte Erkenntnis des Guy M.

Der Basler Kommentar behandelt in dieser Woche den Fernsehauftritt des Basler Regierungspräsidenten Guy Morin. Er stand Rede und Antwort zur Situation der Wagenleute auf dem Hafenareal.

André Auderset
Drucken
Teilen
Die Hütten in der Mitte sind das Kulturzentrum des Wagenplatzes.

Die Hütten in der Mitte sind das Kulturzentrum des Wagenplatzes.

Kenneth Nars

Selten war ein TV-Auftritt so entlarvend wie derjenige des Basler Regierungspräsidenten zum Thema Wagenleute vor gut einer Woche im «Telebasel». Schlecht unterdrückter Ärger und grosser Frust über die nicht erwiderte Liebe der doch so toll alternativen «Erlebnisbürger» prägten jeden Zug seines Gesichts. Anscheinend hatte er das Privileg erfahren, vom Baum der Erkenntnis essen zu dürfen: Es handle sich bei der Besetzung um «ein eigennütziges, egoistisches Privatprojekt», ist ihm nun plötzlich klar geworden.

Und ebenso, dass sich die Regierung unter seiner Leitung wie ein Tanzbär am Nasenring durch die politische Manege ziehen liess: «Erst wollten sie den kleinen Finger, dann die ganze Hand und nun auch noch den Ellenbogen», ärgerte sich der Magistrat.

Die Erkenntnis kommt - das ist zu loben. Sie kommt aber reichlich spät. Es sei doch daran erinnert, dass sich die Wagenleute den Platz seit Monaten illegal angeeignet haben. Dass die rot-grüne Regierung diesen Rechtsbruch mit einer Duldung auf einem Teil des Platzes «belohnt», ist an sich schon sehr fragwürdig. Fast schon logisch ist, dass die Regierung nun die Quittung und von den gehätschelten Wagenleuten einen Tritt in den Allerwertesten erhält.

Regelrecht erschüttert bilanzierte denn auch der Regierungspräsident, dass er und seine «Gschpäänli» im Rathaus von den Rechtsbrechern an der Uferstrasse mit immer neuen Forderungen schlicht vorgeführt wurden. Anfangs waren es noch 450 Quadratmeter an der Freiburgerstrasse, dann wurden 1500 Quadratmeter «an sonniger Lage» gefordert, worauf die grosszügige Regierung 2500 Quadratmeter duldete. Und dann sind für die ein bis zwei Dutzend Personen plötzlich 6000 das Mindeste. Von einer solchen Wohnfläche pro Person kann man selbst auf dem Bruderholz nur träumen.

Seltsam, dass ausgerechnet die Basta, Juso und die jungen Grünen dies unterstützen - ansonsten sind die nämlich für verdichtetes Wohnen ...

Fast schon Mitleid bekam man mit Guy Morin, als er mehrfach an die Vernunft appellierte und befürchtete, die «sture Haltung» bringe sämtliche Zwischennutzungen in Misskredit. Oder als er einem Anrufer zustimmen musste, der die starke Vermutung äusserte, er würde wohl umgehend polizeilich geräumt, wenn er illegal in den Langen Erlen sein Zelt aufschlagen würde. Die Regierung sei «extrem tolerant» gewesen, gestand Morin kleinlaut ein: «Wir dürfen solche Ungleichbehandlungen nicht ausreizen.»

Abmachungen mit Rechtsbrechern sind eben selten «nachhaltig», um ein Lieblingswort der Grünen zu benutzen. Nachhaltig scheint dafür die Erkenntnis zu sein: Der Regierungspräsident markierte (zum ersten Mal in seiner Amtszeit?) eine klare Position. Es werde kein weiteres Ultimatum geben und die Illegalen müssten auf 2500 Quadratmeter zurückweichen. Und tatsächlich: Wie bei unartigen Kindern wirkte die konsequente Haltung des «Erziehers» - ebenfalls wie bei verzogenen «Goofe» wurden die Bedingungen aber nicht so ganz eingehalten, um trotzig noch etwas Widerstand zu zeigen. Die Scope-Verantwortlichen dürften trotzdem aufgeatmet haben.

Ach ja, das sei doch noch erwähnt: Die Kunstmesse Scope, die sich nun auf dem Gelände präsentiert, bringt nicht nur eine erhebliche Wertschöpfung und einen Image-Gewinn für Basel, was man vom slumartigen Wagenplatz nun wirklich nicht behaupten kann. Die Organisatoren zahlen im Gegensatz zu den Besetzern auch marktübliche Miete für den Platz und werden für alle amtlichen Dienstleistungen mit Gebühren belastet. Vielleicht sollten die Scope-Macher einige links-radikale Parolen auf ihr Zelt schmieren und die Zahlungen verweigern - das klappt in unserem Kanton hervorragend!