Der Geistschreiber
SRF in Zürich-Klotzikon

Der Geistschreiber über die falschen Sparideen des richtigen Senders. Willi Näf ist Autor, Ghostwriter und Satiriker. Der Heimwehappenzeller und Wahlbaselbieter leibt, lebt und schreibt in Bubendorf.

Willi Näf
Willi Näf
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Die No-Billag-Abstimmung hat gezeigt, was das Land von der SRG will.

Die No-Billag-Abstimmung hat gezeigt, was das Land von der SRG will.

Keystone/LAURENT GILLIERON

Ich habe nichts gegen Zürich. Ich habe Freunde dort. Ich habe auch nichts gegen die SRG. Kollegen arbeiten bei SRF. Hiermit wären die Streicheleien absolviert, das Cliché etabliert – und ich kann loswettern. Über Molöcher, die mir zuwider sind. Korrekt heissen sie zwar «Molochs», aber zuwider sind mir die Molöcher trotzdem. Ich mag es kleinräumig, geerdet und störrisch. Ladina Heimgartner von RTR Radiotelevisiun Svizra Rumantscha hat mir aus dem Herzen gesprochen, als sie sagte: «Ein öffentlich-rechtliches Medienhaus hat nicht arrogant zu sein. Punkt.»

Die No-Billag-Abstimmung hat gezeigt, was das Land von der SRG will: Sie soll a) umfassend und glaubwürdig informieren, b) im Land verankert bleiben und sich c) von jetzt an bescheiden. Also wird die SRG bei der ersten Sparrunde von 100 Millionen Franken das Messer wohl beim Showgedöns ansetzen, beim Eingekauften, beim Austauschbaren, beim allzu Klotzigen. Und nicht bei dem, was sich als ihr Rückgrat erwiesen hat, bei der Information. Falsch gedacht. Als erstes liebäugeln die Chefs damit, das Radiostudio Bern nach Zürich zu zügeln. Ausgerechnet Flaggschiffe wie das Echo der Zeit und SRF 4 Swiss News sollen weg von der Hauptstadt. Hinein in den SRG-Grossklotz zu Leutschenbach. Als ob bei der SRG die Immobilien das Problem wären.

Züri, Züri, immer Züri. NZZ, Tamedia, Ringier – alles gefrässige Zürcher. Zürich ist der Araberhengst, Bern ist der Haflinger, Basel ist, nun ja, Basel. Der Rest ist Schweigen. Als SRF vor Wochen für eine DOK über Grenchen Haue bekam, knurrte der Stadtpräsident: «Wir brauchen doch keine Zürcher, die uns die Welt erklären.» So formuliert sich die Abneigung gegen Molöcher.

Auch das familiäre Radiostudio Brunnenhof Zürich soll übriges beim Leutschenbach eingeklotzt werden. Geschätzte Ersparnis für beide Zügleten: dreieinhalb Millionen Franken. So viel kosten 45 Ausgaben «Potz Musig», 35 «Verkehrte Welt» oder fünf «Happy Day». Klar, wenn man Sendungen kippt, zetern ihre Fans. Aber wenigstens nur die Fans. Die fortschreitende Zentralisierung der SRG am Leutschenbach hingegen verursacht bei denen Bauchgrimmen, deren idée suisse über einen Slogan hinausgeht. Das Volk stellte sich im März nicht hinter die SRG, damit diese ihren Standort Bern zurückstutzt auf die blosse Regional- und Bundeshausredaktion und damit die Hauptstadt schwächt, die Information und die Autonomie des unterschätzten Mediums Radio. Das ist nicht idée suisse. Das ist zu viel Excel und zu wenig Gspüri.

Hier noch der obligate sanktflorian’sche Spartipp des Besserwissers mit dem Milchbüechli: Wenn die SRG die Randregionen ernst nehmen will, dann bitte auch das Tessin. Das ist dort, wo die Deutschschweiz jeden Tag 600'000 Franken aus dem Gebührentopf hinschickt, für fünf RSI-Programme, für 1039 Vollzeitstellen, für 350'000 Menschen. Was die SRG bei den Radiostudios einsparen will, verklotzt sie im Tessin in nur sechs Tagen – in jenem Kanton, in dem jeder dritte Abstimmende die RSI abschaffen wollte. Wenn das mal kein Sparauftrag aus dem Tessin ist.