Stadt versus Land
Studieren auf dem Land: Das meinen die bz-Chefs aus Stadt und Land

Nachdem die Baselbieter Regierung neben Liestal und Münchenstein mit Allschwil und Muttenz zwei weitere Standorte für einen Teilumzug der Uni Basel ins Spiel gebracht hat, ist es noch schwieriger geworden, in der Uni-Diskussion die Übersicht zu wahren.

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Uni Basel

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Keystone
Bojan Stula, Redaktionsleiter Baselland

Bojan Stula, Redaktionsleiter Baselland

bz

Darum muss die Uni Basel aufs Land hinaus

Baselland kann der Uni am Standort Liestal etwas bieten, das es sonst nirgends gibt: Eine grüne Wiese.

Bevor die Verwirrung allzu gross wird, welche die Baselbieter Regierung mit Standorten stiftet, die eigentlich gar nicht infrage kommen, folgt jetzt eine Klarstellung: Ja, wir wollen einen eigenen Baselbieter Uni-Campus. Wir wollen ihn wirklich. Am besten in Liestal. Wir wollen ihn nicht nur deshalb, weil wir gleichgestellte Mitträger einer Universität sind, die trotz 50-prozentiger Beteiligung noch immer nicht «Universität beider Basel» heisst. Nicht nur deshalb, weil mehr Baselbieter Studenten an der Uni eingeschrieben sind als Basler. Nicht nur deshalb, weil wir nicht mehr im Hochschulrat als depperter Möchtegern-Unikanton angesehen werden wollen. Auch nicht deshalb, weil wir solche Masochisten wären, um uns noch mehr pendelndes Volk in der S-Bahn zu Stosszeiten zu wünschen. Wir wollen einen eigenen Campus, weil wir der Uni Basel etwas bieten können, von dem vergleichbare Stadtuniversitäten nur träumen: Eine grüne Wiese, auf der von Grund auf ein topmoderner Campus hochgezogen werden kann. Auf einer grünen Wiese, die verkehrstechnisch bestens angebunden und trotzdem bezahlbar ist. Und wo nicht, im Gegensatz zu Allschwil oder Muttenz, der Uni-Campus hoch wertschöpfenden Wirtschaftsansiedlungen den Platz wegnimmt.

Für den am Münsterplatz ans Gym gegangenen, am Petersplatz promovierten, heute in einer Anwaltskanzlei am Aeschengraben arbeitenden und in der Dalbe im Cliquenkeller feiernden Berufsbasler liegt Liestal so weit weg wie Timbuktu. Ihm nehme ich nicht einmal übel, dass er die Chancen dieser regionalen Horizonterweiterung nicht erkennt. Aber er sollte sich bewusst werden, dass Jus- und Wirtschaftsstudenten nicht primär darum in Basel studieren, weil der Rhein so schön und das Münster so nah ist. Sie sind an der Uni, weil sie hier einen Studienplatz an einer erstklassigen Fakultät bekommen. Woran sich in Liestal nicht das Geringste ändern würde. Nur die Infrastruktur wäre moderner.

Nicolas Drechsler, Ressortleiter Basel-Stadt

Nicolas Drechsler, Ressortleiter Basel-Stadt

Kenneth Nars

Gib ihnen den kleinen Finger – und sie reissen dir den Arm ab

Die Idee, ein Institut der Uni aufs Land zu verlegen, ist zumindest originell. Aber sie wurde sofort in Grund und Boden geredet.

Was für ein Aufschrei ging da durch die Hallen der Juristischen Fakultät: Nun müsse man aufs Land raus. In die Provinz, wie es die Juristin und Baselbieter Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer gar formulierte. Angst machte sich breit vor stundenlangen Zugfahrten und Pferdeäpfeln vor der Aussenstelle der Alma Mater. Das war natürlich alles schwer übertrieben. Die Fahrt ist kurz, die Pferdeäpfel sind schon vor Jahrzehnten den Verpackungen der Schnellfresskette mit dem gelben M gewichen und Frau Oberholzer wohnt ja noch weiter hinten im Gstrüpp.

Noch schlimmer aber waren die Reaktionen der vereint-entzweiten SVP von Stadt und Land und ihrer zugewandten Orte. Die Stadtbasler Rechtsbürgerlichen witterten ihre Chance: Endlich kann man die verhassten, weil nicht verstandenen Geisteswissenschafter loswerden. Raus mit diesem Gesocks, das nur Geld kostet und danach arbeitslos wird. Oder noch schlimmer: Staatsangestellter. Oder im allerschlimmsten Fall sogar: Journalist. Aber die Juristische Fakultät, jenes Aufzuchtbecken für zukünftige Wähler rechts der Mitte, die bleiben am Bahnhof. Dem in Basel.

Die Baselbieter Rechte will zwar ein Institut, oder fünf, aber sicher nicht die Juristen. Sondern die Life Sciences, oder Kybernetik oder so, auf alle Fälle etwas, das mehr Geld bringt und vor allem schön modern klingt. Man kann ja verstehen, dass Angst aufkam vor Horden von Paragrafen reitenden Pullunderträgern mit zuviel Gel in den Haaren. Aber, liebe Landbürgerliche, das sind doch eure Kinder! Was regt ihr euch so auf?

Und vor allem, was wollt Ihr denn? Life Sciences brauchen die Nachbarschaft zur grossen Pharma und einem Unispital. Beides Dinge, die es in Liestal nicht gibt. Die Geisteswissenschaften gedeihen nur in urbaner, durchgeistigter Umgebung. Juristen dagegen wachsen überall heran. Also nehmt, was wir euch geben. Es ist das Beste für alle.