Kommentar
Terror am Cortège: Panik vs. Ignoranz

In Braunschweig wurde der Fasnachtsumzug wegen einer Terror-Warnung abgesagt. In Basel ist dieses Szenario grundsätzlich auch möglich. Geht tatsächlich eine Warnung ein, können die Behörden nur den Kürzeren ziehen. Ein Kommentar.

Martina Rutschmann
Martina Rutschmann
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Eine Horrorvorstellung für jeden Fasnächtler: Die Strassen bleiben wie hier in Braunschweig leer, statt von bunten Wagen und Musik belebt zu werden.

Eine Horrorvorstellung für jeden Fasnächtler: Die Strassen bleiben wie hier in Braunschweig leer, statt von bunten Wagen und Musik belebt zu werden.

KEYSTONE

Sie wären so oder so die Dummen, die Behörden: Sagen sie den Cortège wegen eines Hinweises auf einen Terroranschlag ab und es bleibt friedlich, sind alle sauer, weil ihr geliebter Cortège ins Wasser fiel. Lassen die Behörden die Fasnächtler aber trotz Hinweis gewähren und es kommt tatsächlich zu einem Anschlag, ist die Katastrophe perfekt.

Bereits einen Tag, nachdem in Braunschweig der Karnevalsumzug abgesagt worden war, hagelte es im Netz Kritik: «Wegen nur eines Informanten den ganzen Umzug absagen? Das geht nicht!», hiess es. Hinzu komme, dass dieser Informant offenbar keine konkreten Hinweise lieferte, sondern nur einen vagen: nämlich die Uhrzeit.

Dies jedenfalls geht aus Medienberichten hervor. Was wirklich Sache war, steht auf einem anderen Blatt. Auch die Basler Polizei würde kaum öffentlich verraten, dass Terroristen einen Anschlag auf die Fasnacht planen. Und schon gar nicht fast eine Woche vor der Veranstaltung. In Braunschweig sah es zu diesem Zeitpunkt noch danach aus, als könnte der Umzug normal über die Bühne gehen. Erst einen Tag vorher sei der Hinweis eingegangen.

Abgesagt wurde der Umzug erst am Tag selber. Das wäre, auf Basel adaptiert, am Fasnachtsmontag. Wir wollen aber nicht den Teufel an die Wand malen: Hier besteht offenbar keine Gefahr. Alle sind zuversichtlich, dass sich daran nichts ändert. Bei der ganzen Anti-Panik-Haltung der Funktionäre schwingt jedoch immer ein bisschen Ignoranz mit. Dass die Schweiz auf der EU-Landkarte fehlt, ist keine Garantie dafür, auf ewig verschont zu bleiben.