Kommentar
Twitter fürs Volk

Twitter ist laut, kurz und unübersichtlich. Als Medium ist es dennoch sehr demokratisch. Jeder kann eine Stimme haben, jeder kann zum Meinungsträger werden.

Benjamin Rosch
Benjamin Rosch
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Twitterer gibt allen eine Stimme. (Symbolbild)

Twitterer gibt allen eine Stimme. (Symbolbild)

Keystone

Ich mag Twitter nicht. Eigentlich gilt das für alle sozialen Netzwerke: Oft werde ich zugespammt mit allzu Privatem, Pseudo-Witzigem und einfach Überflüssigem. Zudem gilt gerade für Twitter, dass sich auf dieser Plattform – zumindest in der Schweiz – hauptsächlich Politiker und Journalisten tummeln. Debatten laufen so oft Gefahr, im Narzissmus zu versanden.

Gerade deswegen ist es allerdings richtig, dass sich insbesondere jene Gehör verschaffen, die auf anderen Kanälen zu wenig zu Wort kommen. Die SP macht es in Basel-Stadt und Baselland vor. Twitter ist laut, kurz und unübersichtlich. Als Medium ist es dennoch sehr demokratisch. Jeder kann eine Stimme haben, jeder kann zum Meinungsträger werden. Und nicht zuletzt: Jeder kann in direkten Austausch mit den Politikern treten, denen so oft vorgeworfen wird, dass sie am Volk vorbeipolitisieren.

Die Volksvertreter – in der Virtualität sind sie nur den viel zitierten einen Klick entfernt. Das birgt die Möglichkeit, das zu sagen, was man sich auf offener Strasse nie getrauen würde. Damit ist nicht der braune Sumpf angesprochen, der derzeit Facebook überschwemmt, sondern Wählerinnen und Wähler, die sich ein Bild davon machen wollen, wie ihre Stimme in Bern gehört wird, und allenfalls mitdiskutieren wollen. Twitter ist keine mediale Einbahnstrasse. Zahlreiche Meinungsmacher und -träger nutzen die Plattform inzwischen als Informationsübersicht und um schnell einen Puls zu spüren, wenn ein Grossereignis eintritt. Twitter ist das ideale Medium für all jene, die sich nicht vertreten fühlen – nutzen Sie als Wähler diese Möglichkeit.