Geistschreiber
Über Gott gelästert

Willi Näf
Willi Näf
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Eine Leserin reagierte auf das ‹Interview mit Maria›: «Ich weinte mit der Gottesmutter über diesen lästernden Text.» (Symbolbild)

Eine Leserin reagierte auf das ‹Interview mit Maria›: «Ich weinte mit der Gottesmutter über diesen lästernden Text.» (Symbolbild)

Keystone

«Grüss Gott, Herr Näf. Ihr ‹Interview mit Maria› vom 21. Dezember hat mich tief verletzt und betrübt. Ich weinte mit der Gottesmutter über diesen lästernden Text. Bitten Sie Gott um Verzeihung für das Übel, das Sie angerichtet haben. Gerne schliesse ich Sie in mein Gebet ein. Freundliche Grüsse, Daria Wegmüller.»

Liebe Frau Wegmüller. Vielen Dank für Ihren handgeschriebenen Brief an mich. Dass Sie mit der Gottesmutter weinen mussten, tut mir leid. Woher wissen Sie denn, dass die Gottesmutter geweint hat? Und dass Gott sich von dem Text gelästert fühlte?

Das angerichtete Übel ist riesig, fürchte ich. Das gotteslästerliche Gespräch mit Maria zirkuliert im Internet. Tausende lasen es. Weil Dutzende Gotteslästerer und -lästererinnen es verbreitet haben. Darunter eine gotteslästerliche Nationalrätin, eine gotteslästerliche Ständerätin und ein halbes Dutzend gotteslästerliche Pfarrpersonen. Gotteslästerliche Gläubige in der Schweiz und Deutschland lasen sich diese Gotteslästerung an Heiligabend als Weihnachtsgeschichte vor. Ein gotteslästerlicher katholischer Gemeindeleiter bat mich um ein ähnliches Interview mit Jesus. «Ihre Maria», schrieb mir eine Leserin, «ist eine wunderbare Frau, klug und voller Humor».

Danke auch für das kleine Amulett. Gemäss Beizettel gibt es von dieser «wundertätigen Medaille» weltweit eine Milliarde Stück. Die «priesterlich gesegnete» Medaille steht für die «Militia Immaculatae» mit drei Millionen Mitgliedern, die sich selber im Internet bezeichnet als «geistige Armee im Dienste der Unbefleckten im Kampf um die Rettung der Seelen.» Der erste Satz der Gründungsstatuten ist hübsch: «Sie wird dir das Haupt zertreten.» Ich bin froh, dass Sie, liebe Frau Wegmüller, mir gegenüber trotzdem keine Gewaltfantasien hegen. Da hab ich schon anderes erlebt. Vor Jahren schrieb mir eine Leserin: «Wenn ich Gott wäre und Sie mein Sohn, dann hätte ich Ihnen tüchtig eins auf ihr Lästermaul gehauen.» Ich antwortete ihr: «Da bin ich aber froh, dass Sie nicht Gott sind und ich nicht ihr Sohn».

Liebe Frau Wegmüller, bitte sagen Sie Maria einen evangelisch-reformierten, aber trotzdem lieben Gruss von mir. Und dass sie eine wunderbare Frau sei, klug und voller Humor.

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