Persönlich
Verloren in der Raumzeit

Am Schluss standen 35 offene Tabs fast ebenso vielen offenen Fragen gegenüber.

Mark Walther
Mark Walther
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Was Einstein alles auslösen kann...

Was Einstein alles auslösen kann...

KEYSTONE/AP

Kennen Sie das? Sie wollen sich über ein Thema schlaumachen, setzen sich an den Computer und googeln los. Eine Stunde später haben Sie 35 Tabs im Internet-Browser offen und mehr Fragen als Antworten im Kopf.

Genauso ist es meiner Freundin und mir letzte Woche ergangen. Zugegeben, das Thema war kein einfach verständliches: Einsteins Relativitätstheorie.

Es begann alles damit, dass meine Freundin, Primarlehrerin, beim Abendessen von einer Diskussion zwischen zwei Schülern (Zweitklässler!) über das Verhalten der Zeit bei Lichtgeschwindigkeit erzählte. Wir hatten beide gleich viel Ahnung von der Materie, nämlich keine. Also googelten wir los.

Das erste Video auf Youtube vermittelte uns, dass es sich mit der Zeit bei einer Zugfahrt nach Stuttgart nicht gleich verhält wie auf einer Reise mit annähernder Lichtgeschwindigkeit zum Jupiter. Das Erklärstück warf, wie jede folgende Informationsquelle, die Frage nach dem wieso-genau-ist-das-jetzt-so? auf.

So arbeiteten wir uns von der Lichtgeschwindigkeit zur Raumzeit-Krümmung vor, zu schwarzen Löchern und mitten durch Gravitationsfelder.

Die Stunden vergingen, ohne dass wir Notiz davon nahmen. Am Schluss standen 35 offene Tabs fast ebenso vielen offenen Fragen gegenüber. Gescheiter waren wir nicht.

Halb so wild. Wir halten es jetzt mit Matthias Blau, theoretischer Physiker an der Uni Bern, der zu «SRF Einstein» sagte: «Vollständig verstanden (habe ich Einsteins Theorie) nicht. Aber wir haben die Mathematik, um Dinge zu beschreiben, wo die Vorstellungskraft versagt.» Das mit der Mathematik ignorieren wir grosszügig.