Mein Leben im Dreiland
Verwirrung am Bancomaten

Die deutschen Banken werden die Gebühren zur Benutzung ihrer Bancomaten für fremde Kunden von 1.95 € auf 3.95 € erhöhen. Dazu können allerdings «zusätzliche Drittkosten der Bancomatbetreiber» entstehen. Wie sieht die Lage in der Schweiz aus?

Peter Schenk
Peter Schenk
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Im Dreiland möglichst kostengünstig Geld an einem Bankautomaten abzuheben, entwickelt sich zur hohen Kunst. (Archiv)

Im Dreiland möglichst kostengünstig Geld an einem Bankautomaten abzuheben, entwickelt sich zur hohen Kunst. (Archiv)

Keystone

Neulich habe ich in der «Badischen Zeitung» gelesen, dass die deutschen Banken und Geldinstitute ab 1. September, beziehungsweise ab 1. Oktober, die Gebühren für die Benutzung ihrer Bancomaten durch fremde Kunden erheblich erhöht haben. So hat mir die Deutsche Bank bestätigt, dass die Gebühr für Bargeldverfügungen tatsächlich von 1.95 Euro auf 3.95 Euro gestiegen ist. Auswirkungen für Schweizer Kunden soll das nicht haben, haben mir alle angefragten Schweizer Banken bestätigt. Aber es gibt da anscheinend einen Haken.

Dass grundsätzlich Gebühren anfallen, wenn man im Ausland Geld abhebt, ist schon seit vielen Jahren so. So kostet der einmalige Geldbezug mit einer Schweizer EC-Karte in Deutschland bei der UBS, der Basler Kantonalbank (BKB), der Migros Bank und der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) wie auch der Postfinance fünf Franken (mit dem Privatkonto Plus ist der Bezug kostenlos).

Das organisierte Durcheinander

Das hört sich klar und deutlich an, ist es aber nicht. Die UBS weist nämlich darauf hin, dass die Banken in Deutschland im Gegensatz zu Frankreich zusätzlich zu den erwähnten fünf oder vier Franken, die bei der Schweizer Bank anfallen, weitere Kosten erheben können. «Aufgrund des Surcharging können in Deutschland zusätzliche Drittkosten der Bancomatbetreiber anfallen», schreibt die Medienstelle der UBS. Und nun wird es kompliziert: Die Nachfrage bei der Deutschen Bank, wie viel das denn sei, ergibt: Die Preisinformation erhalte der ausländische Kunde «durch das kartenausgebende Institut, nicht durch das auszahlende Institut».

Rückruf bei der UBS. Es bleibt dabei: Wie hoch die Kosten seien, die in Deutschland anfallen, könne man nicht sagen. Um die Verwirrung vollkommen zu machen, gibt es von der Postfinance noch einmal eine andere Information. Die Medienstelle teilt mit, dass die Deutsche Bank für Bargeldbezüge ausländischer Institute keine Gebühren erhebt. Ganz sicher scheint die Postfinance sich aber doch nicht zu sein, denn sie schreibt auch: «Allfällige Gebühren von Dritten werden von Postfinance nicht übernommen.» Alles klar?

So wie andere deutsche Geldinstitute informiert die Deutsche Bank Fremdkunden am Bildschirm über das Verfügungsentgelt. Auf der Medienstelle heisst es: «Der Kunde muss dem Entgelt explizit zustimmen oder kann die Transaktion kostenlos abbrechen.» Zum Glück habe ich eine deutsche und eine Schweizer EC-Karte und bin mit diesen an den Geldautomaten der Deutschen Bank in Weil am Rhein gegangen, um das auszuprobieren. Preisinformationen gab es indes weder mit der einen noch mit der anderen Karte.

In der Schweiz ist es sowieso billiger

Diese Recherche hat neben der vorhin beschriebenen Absurdität noch eine überraschende Information ergeben: Was die Gebühren für Fremdgehen beim Geldabheben am Bancomaten in der Schweiz betrifft, ist die Schweiz in der Regel günstiger als unsere deutschen Nachbarn. Ob BLKB, BKB, UBS, Migrosbank oder auch die Postfinance – überall kostet dies zwei Franken. Bei der Migros Bank war es mit der Maestro-Karte bis zum 1. Juli sogar kostenlos. Bei der Postfinance ist es kostenlos, wenn man besagtes Privatkonto Plus hat.

Fazit eins: Am einfachsten und günstigsten scheint es in den meisten Fällen zu sein, seiner jeweiligen Bankkette treu zu bleiben. Fazit zwei: Ins Euroland fährt man am besten mit Bargeld, um vor unliebsamen Überraschungen gefeit zu sein. Einen guten Tipp hält die BLKB für Fernreisen bereit: Wenn Sie in der Landeswährung Geld am Bancomaten abheben, dann lassen Sie dieses auf jeden Fall auch in dieser abrechnen; sonst könnte es teuer werden.