Persönlich
Vielen Dank für die 20 Franken

Philipp Felber
Philipp Felber
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Im linken Jackensack wartete auch schon deine Überraschung: eine 20er-Note.

Im linken Jackensack wartete auch schon deine Überraschung: eine 20er-Note.

zvg

Manchmal mag ich dich. Heute Morgen zum Beispiel. Da hast du mich positiv überrascht, was du leider nicht immer schaffst. Wenn du zum Beispiel die Kleider einfach irgendwo rumliegen lässt, bin ich weniger beeindruckt. Ich räume nicht gerne hinter dir nach. Auch wenn du den Abwasch doch lieber erst am Morgen machen willst statt am Abend, finde ich dies am nächsten Tag, um ehrlich zu sein, etwas bemühend.

Aber ich seh dir deine kleinen Macken nach, jedes Mal. Ich weiss ja bestens, wie du so bist, kenne dich nun auch schon ein paar Jahre. Du hast nie nach dem Motto «Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf Morgen» gelebt, das weiss ich nur zu gut.

Deshalb bin ich froh, wenn du mich überraschst, so wie heute. Endlich war es genug kalt, um den Wintermantel aus dem Schrank zu nehmen. Im linken Jackensack wartete auch schon deine Überraschung: eine 20er-Note, fein säuberlich zusammengefaltet, zwei mal zwei Zentimeter gross. Ende März hast du sie dort platziert, um mir eine Freude zu machen.

Deshalb möchte ich dir für deine weise Voraussicht danken. Ich konnte mir heute Morgen eine Banane gönnen und hab immer noch etwas übrig. Vielleicht für etwas Schokolade? Für sonst eine Süssigkeit? Oder gar für einen Teil des überteuerten Salats in der Markthalle? Ach, was ich mir plötzlich alles kaufen kann.

Vielen Dank, mein Vergangenheits-Ich. Über den Abwasch müssen wir aber trotzdem einmal reden. Ausser du packst mir ein 20er-Nötli in die Badehosen, die ich bis nächsten Sommer nicht mehr brauche.