Wahlumfrage
Vom Aufbruch zum Durchmarsch?

Wenn Erfolg träge macht, dann ist unsere Umfrage der Beweis. Die Linke wird in den verbleibenden Wochen kämpfen müssen, sollte aus dem bürgerlichen «Aufbruch» nicht ein Durchmarsch werden. Der Kommentar über die Resultate der Wahlumfrage.

David Sieber
David Sieber
Merken
Drucken
Teilen
Wer wird am 23. Oktober ins Basler Rathaus gewählt?

Wer wird am 23. Oktober ins Basler Rathaus gewählt?

Nicole Nars-Zimmer

Natürlich, die repräsentative Umfrage, die das Institut Sotomo im Auftrag der bz und der «Tageswoche» durchgeführt hat, ist bloss eine Momentaufnahme fast zwei Monate vor den Wahlen in Basel-Stadt. Zudem hatte das bürgerliche Viererticket die Bühne bisher fast für sich alleine. Das zeigt: Auch mit Rheinschwimmen, Pingpong und anderen lustigen Aktionen kommt man ins Gerede. Inhalte sind gar nicht nötig.

Nur gerade Baudirektor Hans-Peter Wessels hält dagegen und preist seine Erfolge an. Der als Parkplatzkiller gebrandmarkte Sozialdemokrat weiss, dass er auf der Kippe steht, was die Umfrage ja auch bestätigt.

Trotz aller Vorläufigkeit lässt sich dennoch festhalten: Die bürgerliche Wende ist möglich. Das Viererticket mit der Einbindung der vor vier Jahren noch ausgegrenzten SVP funktioniert. Lorenz Nägelin hat gute Chancen, in die Regierung einzuziehen.

So sähe unsere Regierung aus, würde heute gewählt.

So sähe unsere Regierung aus, würde heute gewählt.

nch/mta

Es gelingt den Bürgerlichen, die offensichtlichen Widersprüche zwischen jenen Parteien, die den in Basel-Stadt herrschenden offenen Geist und die offenen Grenzen beschwören, und die Abschottungspolitik à la SVP unter dem Deckel zu halten.

Als Sahnehäubchen auf der bürgerlichen Mélange schwingt Baschi Dürr (FDP) im Rennen ums Regierungspräsidium obenauf, lässt die Grüne Elisabeth Ackermann deutlich und die grünliberale Martina Bernasconi um Meilen hinter sich.

Währenddessen macht Rot-Grün keinen besonders dynamischen Eindruck. Die Spitzenkräfte Eva Herzog und Christoph Brutschin (beide SP) sind so gut wie gewählt und ihrer Partei bisher keine grosse Wahlkampfhilfe. Und Ackermann geniesst selbst im eigenen Lager nicht uneingeschränkten Sukkurs.

Wenn Erfolg träge und zwölf Jahre Regierungsverantwortung müde machen, dann ist unsere Umfrage der Beweis. Die Linke wird in den verbleibenden Wochen kämpfen müssen, sollte aus dem bürgerlichen «Aufbruch», so deren Slogan, nicht ein Durchmarsch werden. Denn dieser droht auch im Grossen Rat, wo LDP und SVP zulegen können, während SP, Grüne und Basta leicht verlieren.

Das sich abzeichnende Kopf-an-Kopf-Rennen dürfte für eine hohe Wahlbeteiligung sorgen. Wirklich entscheidend wird aber die Mobilisation für den zweiten Wahlgang sein. Wenn die Bürgerlichen ihre drei unbestrittenen Schäfchen Lukas Engelberger (CVP) , Conradin Cramer (LDP) und Baschi Dürr (FDP) eingestallt haben, dürfte die Lust der Basis schwinden, für SVP-Nägelin nochmals die Mühe eines Ganges an die Urne auf sich zu nehmen. Auf der anderen Seite wäre ein Wessels, der nochmals antreten müsste, eine prima Lokomotive für Ackermann. Was unter dem Strich bedeuten würde, dass in der Regierung kräftemässig alles beim Alten bliebe – mit einem starken bürgerlichen Korrektiv im Grossen Rat.

Die Linke wird es in der nächsten Legislatur so oder so schwerer haben. Diese Voraussage gilt mindestens bis zur nächsten Umfrage, deren Ergebnisse rund zwei Wochen vor den Wahlen vom 23. Oktober wiederum exklusiv von bz und «Tageswoche» veröffentlicht werden.