Basler Kommentar
Vom Baselbiet lernen, heisst siegen lernen

Wenn das bürgerliche Lager bei Wahlen in Basel-Stadt siegen will, muss es vom Baselbiet lernen: Der Basler Kommentar über die Zusammenarbeit im bürgerlichen Lager.

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Die Bürgerlichen an den Landratswahlen.

Die Bürgerlichen an den Landratswahlen.

Nicole Nars-Zimmer

Das hätten Sie, liebe Leserin, lieber Leser, nicht gedacht, dass Sie die DDR-Losung für die deutsch-sowjetische Freundschaft einmal im Basler Kommentar lesen müssen: «Von der Sowjetunion lernen, heisst siegen lernen.» Und Sie lesen es erst noch von einem konsequent Bürgerlichen (oder, wie es heute heisst: Nationalkonservativen). Aber es ist aus aktuellem Anlass gerechtfertigt, allerdings «leicht» umgewandelt.

Mit «Vom Baselbiet lernen, heisst siegen lernen» darf man als Bürgerlicher bewundernd und mit einem gewissen Neid über die Hülftenschanz blicken. Dort hat man es geschafft, durch Zusammenstehen aller bürgerlichen Parteien einen historischen Sieg zu erringen und den Sozialismus (zumindest personell) aus der Regierung zu verdrängen. Das rot-grüne Lager war zerstritten und trug die Folgen dieser Uneinigkeit: Die Baselbieter SP verlor ihren Sitz in der Kantonsexekutive, die Grünen liessen massiv Federn in der Legislative.

Und in Basel-Stadt? Da läuft es seit Jahr und Tag genau umgekehrt, egal ob bei kantonalen oder nationalen Wahlen. SP und das Grüne Bündnis raufen sich ungeachtet aller inhaltlichen und personellen Differenzen immer wieder rechtzeitig vor den Wahlen zusammen, treten geeint auf und fahren ebenso geeint Sieg um Sieg ein. Dagegen liefert das bürgerliche Lager ein Trauerspiel nach dem anderen. Vor acht Jahren mündete dies in der Lachnummer eines Jekami-Angebots für den Ständerat, vor vier Jahren einigten sich die Parteipräsidenten von CVP, LDP und FDP zwar auf einen gemeinsamen Kandidaten, wurden aber von der jeweiligen Basis zurückgepfiffen. Links-Grün lachte sich einen Schranz und Frau Fetz fuhr im Schlafwagen zur nächsten Berner Amtszeit.

Hat dieser Paukenschlag aus Liestal nun die bürgerlichen Bedenkenträger endlich geweckt? Es ist zu hoffen! Wer nach dem 8. Februar 2015 noch immer meint, sich dünkelhaft einer Zusammenarbeit entziehen zu können, nur weil einem der Stil oder gewisse Personen nicht passen, hat nichts kapiert. Bei den letzten Nationalratswahlen im Herbst 2011 hat es dank einer ungewöhnlichen Situation knapp für einen dritten bürgerlichen Sitz gelangt. Dass die GLP erneut Steigbügelhalter für einen CVP-Kandidaten spielt, ist aber fraglich. Dann wird es aber nur etwas mit einem dritten Sitz, wenn die «überzähligen» Stimmen der SVP im bürgerlichen Lager bleiben. Beim letzten Mal waren dies über 10 000 Stimmen, die in den Orkus gingen, statt in einer Listenverbindung nützlich zu sein. Das darf nicht nochmals passieren!

Selbstverständlich haben in Basel die CVP, FDP, LDP und SVP in verschiedenen Sachfragen unterschiedliche Standpunkte – sonst könnte man sie ja durch eine Einheitspartei à la DDR ersetzen. Aber sie einigt ein Grundkonsens, welchen Staat die bürgerlichen Parteien wollen und vor allem, welchen nicht. Und natürlich behagt einem nicht alles, was ein Vertreter einer anderen Partei eventuell auf nationaler Ebene so rauslässt. Aber wir wählen keine Zürcher oder Berner, sondern die Basler Vertretung in der Bundesversammlung.

Und es kann tatsächlich passieren, dass der zusätzliche Sitz dann nicht in der eigenen Partei anfällt. Aber ist das aus bürgerlicher Sicht schlimmer als ein Abwandern zu Rot-Grün?

Fazit: Wenn das bürgerliche Lager bei Wahlen in Basel-Stadt siegen will, muss es vom Baselbiet lernen: Eine Basler Büza tut dringend Not!

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