Abbaupläne
Warum die Pharma brummt am Himmel

Wenn sie sich das nächste Mal über einen der fliegenden Brummis ärgern, sollten Sie sich an die Schlagzeile der Syngenta erinnern. Brummis am Himmel, auf dem Rhein und auf den Strassen sind ein Preis, den wir für die vielen Arbeitsplätze zahlen.

Matthias Zehnder
Matthias Zehnder
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Das Syngenta-Logo vor dem Hauptsitz in Basel.

Das Syngenta-Logo vor dem Hauptsitz in Basel.

Keystone

Gestern haben wir in dieser Zeitung über die Abbaupläne des Agrokonzerns Syngenta berichtet: 500 Stellen werden in Basel abgebaut oder ins Ausland verlagert. Die Agrochemie ist weltweit unter Druck. Viele Basler haben sich gedacht: «Gut haben wir die Pharmaindustrie, die ist bisher sehr gut unterwegs.»

Heute berichten wir über den Ausbau des Frachtbereichs am Euro-Airport: Der Flughafen hat einen neuen Frachtterminal eröffnet, der speziell für wärmeempfindliche Fracht gebaut ist. Fracht, wie sie die Pharmaindustrie produziert. Denn Medikamente, wie sie die Basler Pharmariesen herstellen, sind ideale Luftfracht: Sie sind viel wert, haben aber ein kleines Gewicht.

Mehr Frachtflieger sind für die Anwohner des Flughafens keine gute Nachricht. Wer in Allschwil oder auf dem Bruderholz wohnt, kennt die grossen Brummis, die tief über den Häusern ihre Schlaufen ziehen. Emirates oder Qatar, die Fluggesellschaften, welche den neuen Frachtterminal nutzen, werden neue und damit leisere Flugzeuge einsetzen. Sie sind trotzdem lärmig.

Wenn Sie sich das nächste Mal über einen der fliegenden Brummis ärgern, sollten Sie sich an die Schlagzeile von gestern erinnern, an den Arbeitsplatz-Abbau von Syngenta. Die Brummis am Himmel sind die Kehrseite einer florierenden Industrie in Basel. Brummis am Himmel, auf dem Rhein und auf den Strassen sind ein Preis, den wir für die vielen Arbeitsplätze in der Region zahlen. Die Alternative wäre nicht wohltuende Stille, sondern tödliche Ruhe. So gesehen soll sie brummen, die Pharma.