Kommentar
Was lange währt, wird nicht gut

Christian Mensch
Christian Mensch
Merken
Drucken
Teilen
Wie in alten Zeiten. Doch wurde die Kuppel seit ihrem Abriss vermisst? Der Kommentierende meint: Nein.

Wie in alten Zeiten. Doch wurde die Kuppel seit ihrem Abriss vermisst? Der Kommentierende meint: Nein.

Juri Junkov

Im Frühjahr werden es zwei Jahre sein, seit das Veranstaltungslokal Kuppel vor den Toren des Zoo Basel abgerissen worden ist. Was ist seither passiert? Das Nachtigallenwäldeli, in dem das Providurium stand, wurde aufwendig zu einem Park umgewandelt. Wurde die Kuppel vermisst? Nein.

Das junge Publikum, das sich dort jeweils vergnügte, hat sich längst umorientiert. Hätte es einen Mangel an Alternativorten gegeben, wäre dies Stadtgespräch geworden. Denn die Clubszene weiss sich wohl zu inszenieren, um auf echte oder vermeintliche Defizite hinzuweisen.

Auch die Musiker, die im alten Rundbau zu Auftritten kamen und in der neuen Kuppel Proberäume eingerichtet erhalten sollen, beklagen sich nicht. Es haben in den vergangenen zwei Jahren nicht weniger Konzerte stattgefunden und Bandräume sind an anderen Orten zu günstigeren Konditionen entstanden.

Das lauschige und doch leicht versiffte Umfeld der Kuppel ist eine gute Erinnerung für Basel. Sie gehört zu ihrer Geschichte wie der Schlotterbeck oder die Stadtgärtnerei, wo Kultur alternativ erprobt wurde. Generationen von Jugendlichen hatten in ihr das erste Ausgeherlebnis, rauchten erstmals Gras. Tausende von Liebschaften sind dort entstanden, und wohl nicht wenige haben dort geendet. Es sind diese Erzählungen, die den Wert der Kuppel ausmachen.

Marx hat den Philosophen Hegel paraphrasiert, wonach Geschichte, wenn sie sich wiederholt, stets als Farce auftritt. Dieses Schicksal der Kuppel zu ersparen, wäre jetzt die Gelegenheit.