Manor-Stellenabbau
Weder Fisch noch Vogel

Rahel Koerfgen
Rahel Koerfgen
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Die Warenhauskette Manor will am Hauptsitz in Basel bis zu 200 Stellen abbauen. (Symbolbild)

Die Warenhauskette Manor will am Hauptsitz in Basel bis zu 200 Stellen abbauen. (Symbolbild)

KEYSTONE/WALTER BIERI

Die Käufer von heute sind gnadenlos. Die Grenzen zwischen Shopping auf der Strasse, im Ausland oder im Netz verschwimmen, die Möglichkeiten sind unlimitiert. Es wird dort eingekauft, wo es den besten Gegenwert fürs ausgegebene Geld gibt. Punkt. Wenn dieses Verhältnis für den Käufer nicht stimmt, ist er schnell im nächsten Laden.

Umso wichtiger ist es für einen Händler wie Manor, mit einem stringenten Konzept und einer klaren Message an die Käufer heranzutreten – sowohl in der realen als auch in der virtuellen Welt. Der selbst ernannte «Multispezialist» hat es in den vergangenen Jahren verpasst, sein Profil zu schärfen. Vielmehr ist das Gegenteil passiert: Das Sortiment ist austauschbar geworden, weder teuer noch billig, weder chic noch schmuddelig. Manor ist heute weder Fisch noch Vogel. So gesehen, ist der desolate Zustand des Warenhauses keine Überraschung. Es hat zudem kaum mit Innovationen geglänzt, sondern verzweifelt abgekupfert. So lancierte Manor 2015 in der Schweiz den «Black Friday», den US-Superausverkauf zum Erntedankfest. Das schraubt den Umsatz vielleicht kurzfristig hoch, entwertet die Ware in den Köpfen der Konsumenten aber nachhaltig.

Gefragt ist die Umsetzung mutiger Ideen, welche die digitale und die fassbare Einkaufswelt zu vereinen weiss. Doch wie soll das funktionieren mit einem verunsicherten und arg dezimierten Mitarbeiterstab? Wie soll sich Kreativität entfalten, wenn die nächste Sparrunde oder «Transformationsetappe» – wie die Manor-Führung die gestrigen Entscheidegrauenvollerweise nennt – droht? Es wird die Kreativität lähmen, und die Käufer werden das registrieren. Sie sind gnadenlos.