Wochenkommentar
Zuckerbrot und ein bisschen Peitsche

Benjamin Rosch schreibt in seinem Wochenkommentar über die PR-Offensive der Uni Basel: «Das Angebot der Universität zur neuen Diskussionskultur sollten beide Seiten annehmen.»

Benjamin Rosch
Benjamin Rosch
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Rektorin Andrea Schenker und Uni-Ratspräsident Ueli Vischer.

Rektorin Andrea Schenker und Uni-Ratspräsident Ueli Vischer.

Nicole Nars-Zimmer niz

Es war eine ungewöhnliche Aktion der Unileitung: Mehrere Medien erhielten in dieser Woche die Chance, ein langes Interview mit Uniratspräsident Ueli Vischer und Rektorin Andrea Schenker-Wicki zu führen. Eine Stunde nahmen sie sich für das «Regionaljournal», «Onlinereports» und die bz einzeln Zeit, um ihre Standpunkte genau darzulegen – und brachen damit gleichzeitig ihr monatelanges Schweigen. So etwas tun Entscheidungsträger immer dann, wenn sie ihr Ziel unbedingt erreichen wollen. Wenn etwa Eva Herzog dem Volk die Unternehmenssteuerreform III schmackhaft machen will. Oder Arthur Cohn seinen neuen Film.

Doch warum ausgerechnet jetzt? Was ist der Hintergrund dieser PR-Offensive? Der Politblog «Arlesheim Reloaded» spekulierte, dass Ueli Vischer nun, nach dem Ende der Ära Eymann im Erziehungsdepartement, endlich frei reden durfte. Das ist unwahrscheinlich, die beiden pflegen eigenen Aussagen zufolge ein ziemlich inniges Verhältnis. Zudem folgt mit Conradin Cramer nicht viel mehr als eine jugendlichere Replika in diesem Amt. Und nicht zuletzt blieben ja die ganz grossen Ankündigungen aus.

Der Grund dürfte woanders liegen. Ueli Vischer und Andrea Schenker-Wicki haben sanft ihre Macht demonstriert. Sie haben aufgezeigt, welche Auswirkungen die Angriffe aus dem Baselbiet auf die Uni haben könnten. Von Schliessungen einer Fakultät war die Rede, in einem einschneidenden Bereich, Life Sciences oder Medizin. Sie sprachen von höheren Studiengebühren und wegfallenden Skalen-
effekten. Vor allem sprachen sie aber
davon, dass das ja niemand wolle.

Die grosse Ankündigung der Universität blieb aus

Es war eine Antwort auf die FDP Baselland, welche die Uni mit ihren Spartipps düpiert hat. Es war eine erste, höfliche, dafür öffentliche Retourkutsche auf die Baselbieter Politmanöver. Die zweite folgt dann unter vier Augen, liess Vischer durchblicken. Ganz deutlich wollte er dabei nicht werden. Zwar wurde das Interview zuerst als Reaktion auf die Vorstösse der Baselbieter FDP verkauft. Konkrete Fragen zu diesen würden aber keine beantwortet, stellte Vischer schon eingangs des Gesprächs klar.

Auch das leuchtet ein. Die Uni darf sich keinen Kredit mehr verspielen, denn langsam nähern sich die Verhandlungen über die Finanzierung der heissen Phase. Da ist es besser, man nimmt etwas Dampf aus dieser sowieso schon viel zu emotionalen Debatte. Im Gegenteil, Vischer und Schenker-Wicki fahren derzeit einen Kuschelkurs. Sie machen klar: Sollten die beiden (!) Trägerkantone einen Baselbieter Uni-Standort wollen, wäre dies für sie kein Problem. Seit Jahren schon signalisiere man dafür die Bereitschaft, lautet der O-Ton. Ein Innovationsprojekt stehe an, mit dem man Jungunternehmer der ganzen Region fördern wolle. Und man müsse den Worten endlich Taten folgen lassen. Eine Ankündigung, die in einem Interview immer etwas seltsam anmutet. Denn wie diese «wunderbaren Ideen» genau aussehen, darauf wollte sich Schenker-Wicki dann doch nicht festlegen.

Die Debatte ist auch eine
Frage des Stils

Vielleicht hätte es nicht geschadet, dem Knochen, der dem Baselbiet jetzt hingeworfen wurde, noch ein bisschen Fleisch mitzugeben. Grundsätzlich ist es aber sicher die richtige Strategie, die Debatte nicht zusätzlich anzuheizen. Gelegenheit dazu hatte die Uni genug. Beispielsweise, als sie gezwungen wurde, Professorenstellen zwischenzeitlich nicht mehr zu besetzen. Oder als die Wertschöpfungsstudie vergangenen Herbst fertig war. Diese belegt, dass in der Region eine Milliarde Franken durch die Universität generiert wurden. Gerade einem Unternehmer wie dem Baselbieter SVP-Präsidenten Oskar Kämpfer sollte einleuchten, dass dies eine schöne Stange Geld ist – bei einer Investition von etwas über 300 Millionen. Kommt dazu, dass es ja nicht die primäre Aufgabe der Uni ist, die lokale Wirtschaft anzukurbeln.

Aber der Stil im Baselbiet ist aktuell halt ein anderer. Es ist nicht mehr als eine Ironie, dass manche Baselbieter Politiker jene Uni beschneiden wollen, von der sie sich einst hatten ausbilden lassen. Wie etwa die beiden FDP-Landräte Andreas Dürr und Christof Hiltmann. Sie bieten Hand, dass ihre Regierungsrätin Monica Gschwind eine harte Position in den Verhandlungen mit der Stadt einnehmen kann. Dort lässt sich das gleiche Schauspiel beobachten. Mit einer harschen Medienmitteilung verurteilte die LDP die Vorstösse aus dem Nachbarkanton.

Die Töne, welche jetzt die Uni anschlägt, und die Strategie, mit den Beteiligten das persönliche Gespräch zu suchen, ist vielleicht ganz einfach der Versuch, sich aus der rhetorischen Sackgasse zu befreien. Das Angebot zu einer neuen Diskussionskultur sollten beide Seiten annehmen. Irgendwann wird es auch den Kämpfern mit dem verbalen Zweihänder einleuchten: Sollte Basel-Stadt den Forderungen nachgeben und die Bereitschaft zu einem neuen Finanzierungsmodell signalisieren, wird es wohl nicht wegen, sondern trotz des ungehaltenen Tons von ennet der Birs geschehen.

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