Apropos
Frühling lässt Düfte flattern durch Lüfte

Frühling macht nicht glücklich. Unglücklich war auch der Dichter Eduard Mörike. In einer Gedichtzeile wagt er eine Andeutung.

Christoph Bopp
Christoph Bopp
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«Frühling lässt sein blaues Band / Wieder flattern durch die Lüfte.»

«Frühling lässt sein blaues Band / Wieder flattern durch die Lüfte.»

Anthony Anex / KEYSTONE

Frühling macht nicht glücklich. Das wissen Unglückliche nur allzu gut, denen von ihren Deutsch­lehrern – kaum hatten die eine Minimaldosis jahreszeitspezifischer Hormone abbekommen – ein blaues Band um die Köpfe geschlagen wurde, das einem deutschen Dichter zufolge die Jahreszeit flattern gelassen habe. Unglücklich war auch der Dichter, der bemitleidenswerte Eduard Mörike. Das Flattern sei ihm verziehen.

Jenen Mörike hatte das Württemberger Verhängnis getroffen: Sorgfältige Erziehung und Bildung mit all den Idealen und Hoffnungen, einzig und nur zum Zwecke appliziert, die Zöglinge in eine Pfarrerexistenz zu zwingen. Der schlaue Hegel schaffte das Entkommen, Hölderlin scheiterte, Mörike versuchte es nicht einmal.

Ausser in einer Gedichtzeile. In einem anderen Frühlingsgedicht liess er es tüchtig holpern: «Ich denke dies und denke das, // Ich sehne mich, und weiss nicht recht, nach was: ...»