Kommentar
Wie ist das mit der Eigenverantwortung? Der Bundesrat traut uns keine Selbsttests zu

In Österreich und Deutschland sind Schnelltests für zu Hause zugelassen. Die Schweizer fürchten: Das könnte die Statistiken verfälschen.

Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser
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Spucken und gut ist.

Spucken und gut ist.

Moritz Hager

Während dieser Pandemie hat die Regierung immer wieder an unsere Eigenverantwortung appelliert. Und wenn es gerade gut lief, wenn wir trotz weniger restriktiven Massnahmen besser dastanden als das Ausland, dann war das wegen der Eigenverantwortung. In der liberalen Schweiz mit ihrer direkten Demokratie sei die besonders ausgeprägt.

Und nun das: Die Regierung traut uns nicht zu, dass wir Schnelltests korrekt anwenden können. Eine Hexerei ist das gewiss nicht: einmal kräftig draufspucken und aufs Ergebnis warten. Die Österreicher und die Deutschen können das auch; zumindest traut ihnen das die Regierung zu. Schnelltests sind da erlaubt.

Klar, zum korrekten Prozedere gehört, dass man sich bei einem positiven Test in Quarantäne begibt, das Ergebnis meldet oder es durch einen zuverlässigen PCR-Test bestätigt. Da die Bürger dies aber nicht in jedem Fall tun, würden die Corona­statistiken verfälscht, heisst es von Seiten des Bundes. Statistiken sind wichtiger als Ergebnisse: Es ist dies eine sehr behördenlastige Sicht. Ein Infizierter, der von seiner Erkrankung dank Selbsttest weiss, dies aber nicht meldet, ist noch immer besser als ein Infizierter, der sich gar nicht testen lässt. Und auch bei einem positiven PCR-Test muss man letztlich darauf vertrauen, dass der Infizierte die Konsequenzen trägt und sich in Quarantäne begibt. Es geht dabei immer um – genau: Eigenverantwortung.