Café Fédéral
«Make Schaffhausen great again!»

Dennis Bühler
Dennis Bühler
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Die Stadt Schaffhausen mit dem Munot.

Die Stadt Schaffhausen mit dem Munot.

Keystone

Am Mittwochmorgen jubelte Walter Hotz ausgelassen. Er freute sich mit Donald Trump, dem frisch gekürten US-Präsidenten. Sie kennen Walter Hotz nicht? Hotz ist 69-jährig, besitzt ein Unternehmen für Hydraulik und Systemtechnik und sitzt seit zwei Jahrzehnten im Grossen Stadtrat der Stadt Schaffhausen und seit vier Jahren im Kantonsrat. Und er sorgt sich derart um seine Stadt und seinen Kanton, dass er sich bei Trump bedient hat: «Make Schaffhausen great again», steht auf den Plakaten, die er überall in der Stadt aufstellen liess, um für seine Bestätigung bei den Grossstadtratswahlen am 27. November zu werben. Und kleiner am unteren Plakatrand: «Humor behalten. SVP wählen.»

Hotz meint es ernst. «Schaffhausen muss wieder so stark werden wie in den Sechziger- und Siebzigerjahren, als die Industrie brummte.» Deshalb hat er, der der FDP angehörte, «bis sie wirtschaftsfeindlich wurde», noch längst nicht genug von der Lokalpolitik. Und deshalb freute er sich mit Trump. Die Wahl seines Vorbilds nämlich hält Hotz für ein gutes Omen – ein gutes Omen für seinen eigenen Wahlkampf.

Dreimal hat er die USA bereist, das Land, das auch kulturell ständig präsent ist in seinem Leben: Hotz ist Bandleader und Kontrabassist in der Dixieland-Band «Munot Dixie Stompers». Seine Wiederwahl wäre eine kleinere Überraschung als die Wahl Trumps, sagt er unbescheiden. In Schaffhausen nämlich ist Hotz eine feste Grösse, die selbst in der eigenen Partei gefürchtet wird: SVP-Regierungsräte greift Hotz regelmässig an, nicht selten zweifelt er gar ihre Amtseignung an. «Ich bin ein Hardliner, gnadenlos wie Trump», sagt er stolz. In einem Bereich aber hinke der Vergleich mit seinem Idol gewaltig. «Ich bin leider nicht Multimilliardär.»

dennis.bühler@azmedien.ch

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