Die Freitags-Kolumne
Unser Fisch und Lampedusa

Papst Franziskus nannte die Tragödie vor Lampedusa jetzt «eine Schande» für Europa. Der moralische Klartext ist freilich billig. Was soll Europa denn tun gegen die «Schande» – ausser beten?

Max Dohner
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Alex Spichale

Beschleunigt wurde viel mit der geänderten Fischereipolitik der EU. 88 Prozent der Bestände galten 2010 in europäischen Gewässern als überfischt. Trawler aus Südeuropa, aber auch aus Litauen, fischen längst vor Marokko, spanische Flotten sogar in der Südsee. 700 schwimmende Fabriken fischen für die EU weltweit ein Fünftel des europäischen Fangs. Zwar erhalten afrikanische Staaten – etwa Guinea-Bissau – jährlich Millionen Euro von der EU für Fischereirechte. Ob damit eine «nachhaltige und verantwortungsvolle Fischereipolitik» dort aufgebaut werden kann, ist fraglich. Guinea-Bissaus Fischereiminister sagte: «Die lokale Bevölkerung profitiert in keiner Weise von den Abkommen. Nur für Europa sind sie ein Geschäft.» Vor mancher afrikanischen Küste wurde die althergebrachte Fischerei zerstört.

Und was taten die lokalen Fischer? Sie «diversifizierten», gut kapitalistisch: auf Menschenhandel und Schmuggel. Zuerst nutzten sie ihre Nussschalen. Danach – als das Geschäft florierte – zunehmend moderne Schnellboote. Die sind mitunter so toll, dass etwa die portugiesische Marine aufgebrachte und konfiszierte Schmugglerboote einfach übernahm. Und: Schmuggler und Menschenhändler können oft auf die «proaktive» Deckung durch lokale Behörden zählen.

Damit wirds schwierig, vor allem langwierig: Europa müsste, bestens koordiniert, nicht nur mehr Rettungsschiffe aufs Meer schicken. Sondern auch versuchen, an den Ausgangsküsten der Migranten die Netze der Profiteure entweder zu zerschlagen oder einfach mehr Geld als die Kriminellen bieten.

Was den Migrationsdruck betriff, eine Folge des wirtschaftlichen und sozialen Gefälles: Das wird sich auch in hundert Jahren nicht ausgeglichen haben. Diese Ohnmacht muss man endlich eingestehen. Da hilft wirklich nur noch beten.