Leserdebatte
E-Voting ist höchst unsicher

«E-Voting: Professor entdeckt Systemfehler», Ausgabe vom 13. März

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Rolf Haenni staunt, das ein gravierender Systemfehler im E-Voting-Programm der Post nicht schon viel früher entdeckt wurde. Ich nicht. Unter anderem prüfte ja auch die Wirtschaftsprüfungsfirma KPMG das Programm. Bereits im Zusammenhang mit der Postautoaffäre wirft die Eidgenössische Revisionsaufsichtsbehörde (RAB) der KPMG «teilweise erhebliche Mängel» vor. Was auch von Interesse wäre: Wie viel Geld hat die im Eigentum des Bundes stehende Schweizerische Post bisher in das E-Voting-System investiert? Hier die wörtliche Antwort des Bundesrates vom 20. Februar 2019 auf eine Anfrage von SVP-Nationalrat Claudio Zanetti: «Die Schweizerische Post als Anbieterin eines E-Voting-Systems ihrerseits veröffentlicht einen Finanzbericht. Dieser enthält keine detaillierten Angaben zum Geschäftsfeld E-Voting.» Noch Fragen? Allfällige Defizite und Verluste kann die Post ja dann wieder mit Schliessungen von Poststellen kompensieren.

Thomas Lang, Retschwil


Unser Kanton setzt weiterhin auf den digitalen Wahl- und Abstimmungskanal. Allen Warnungen zum Trotz. Obwohl das E-Voting-System der Post zurzeit für Negativschlagzeilen sorgt. Nachdem erst der spanische Technologiepartner der Post in der Kritik stand, liegen nun auch schon die ersten Resultate der Systemtests vor. Gravierende Schwachstellen wurden entdeckt. Experten um die kanadische Sicherheitsforscherin Sarah Jamie Lewis haben einen schweren Mangel an einer zentralen Komponente des Systems ausgemacht. Dieser soll es einem Insider ermöglichen, mit einem Zugriff auf das System das Ergebnis einer Wahl oder Abstimmung zu manipulieren. Und zwar ohne, dass dies bei einer Überprüfung entdeckt würde. Ich kann nicht verstehen, warum die Luzerner Regierung E-Voting immer noch ihr vollstes Vertrauen schenkt. Sogar die Bundeskanzlei hat bekannt gegeben, dass die Sicherheitsanforderungen des Bundes in Sachen E-Voting aktuell nicht erfüllt sind. Daher bin ich nach wie vor der Meinung, dass ein Marschhalt, ein Moratorium für E-Voting angesagt ist. Dies schulden wir der Seriosität und Glaubwürdigkeit unseres politischen Systems. Und dem Vertrauen in unsere Demokratie.

Robi Arnold, Kantonsrat SVP, Mehlsecken