Leserbrief
Zukunftsweisendes Parkierungskonzept oder Rattenfängerei?

«Parkieren wird deutlich teurer», Ausgabe vom 20. Mai

Merken
Drucken
Teilen

Nach mehrjährigen Beratungen wurde nun das neue Parkierungskonzept für die Stadt Luzern geboren. Der Kommentar vom 20. Mai in der «Luzerner Zeitung» bezeichnet dieses als «Kompromiss statt grosser Wurf».

Doch der TCS schiesst scharf dagegen. Er fand tief in der Trickkiste eine alte Taktik: «Stelle eine falsche (Fake-)Behauptung auf und bekämpfe diese vehement!». Der TCS kritisiert harsch, dass die Massnahmen gewerbefeindlich seien. Stellungnahme in «Zentralplus»: Die Stadt reduziere die durchschnittliche Parkzeit auf 30 Minuten. Diese sei gewerbefeindlich. Eine halbe Stunde reicht unmöglich. Wurde der umfangreiche Bericht des Stadtrates (siehe Website) überhaupt zur Kenntnis genommen?

Ziel ist die Verbesserung der Verfügbarkeit von Strassenparkplätzen für Kundinnen und Kunden der Gewerbetreibenden im Zentrum. Diese sollen in erster Linie für kurze Parkvorgänge genutzt werden, längere im Parkhaus stattfinden.

Die Erkenntnisse aus dem Fachbericht von 2017 sind: Erstens: Die Mehrheit der Fahrzeuglenker ohne Parkkarte parkiert in der Innenstadt nicht länger als eine Stunde.

Zweitens: 50 Prozent der Parkfelder im Hirschmattquartier und 70 Prozent im Bruchquartier sind mit Dauerparkkarten für Bewohnende belegt und stehen deshalb kaum zur Verfügung. Die privaten Parkplätze werden dagegen oft im Widerspruch zur Zweckbindung der Baubewilligung an auswärtige Pendlerinnen und Pendler teurer vermietet.

Anhang 2 zeigt die Zustände vor und nach der Optimierung. Entgegen der Behauptung des TCS werden von den 1139 Parkplätzen in der Innenstadt lediglich 44 als 30 Minuten Parkplätze geschaffen. Die weitaus grösste Zahl der Parkplätze erlaubt somit eine Parkdauer von 60 Minuten.

Das neue Konzept Autoparkierung ist zukunftsweisend. Es wird selbst auch von der City-Vereinigung begrüsst. Mit welchen Argumenten die SVP ein Referendum begründen will, ist schleierhaft – ausser einfach Nein zu einem Kompromiss.

Hugo Fessler, Luzern dipl. Verkehrsing. ETH/SVI / ehem. Grossstadtratspräsident SP / Mitglied der Verkehrskommission Luzern


Ich hätte nicht gedacht, dass es möglich ist, einen 130-seitigen Bericht so zu schreiben, dass man als Bürgerlicher hinter keinem einzigen Wort stehen kann. Dass der Stadtrat sich um das Gewerbe sorgen will, indem er im Zentrum nur noch Kurzzeitparkplätze erlauben wird und Dauerparkierer verdrängen will, klingt zugegeben auf den ersten Blick verlockend. Es erweist sich aber bei genauerem Hinsehen als Rattenfängerei, um sich die Opposition der Gewerbetreibenden zu ersparen.

Doch jene Gewerbetreibenden die etwas weiter Vorausschauen, werden die Lunte riechen und das Konzept hoffentlich bekämpfen. Denn das bestehende Reglement für eine nachhaltige Mobilität schreibt vor, dass der Verkehr nicht zunehmen darf. Sofern die Ziele, die man im Bericht und Antrag zu verfolgen vorgibt, wirklich erreicht werden und die Situation für das Gewerbe besser wird, indem mehr Kunden kurz vorfahren können, wird dies zu Mehrverkehr führen. Um das zu verhindern, werden früher oder später weitere Parkplätze verschwinden, was nicht im Sinne des Gewerbes sein kann.

Dass dieser weitere Abbau so sicher wie das Amen in der Kirche ist, lässt sich an den ab September herrschenden Mehrheitsverhältnissen und den in den letzten Jahren zahlreichen mobilitätsfeindlichen Vorstössen der Linken erahnen. So werden bereits jetzt aus linksgrünen Verbänden die Forderungen laut, dass man mehr Parkplätze abbauen müsse. Dessen müssen sich Wirtschaftsverbände bewusst sein, wenn sie jetzt blauäugig dieses Konzept unterstützen wollen. Unter dem Strich bezahlt man so mehr für weniger maximale Parkzeit bei im besten aber unwahrscheinlichen Fall gleichbleibender Anzahl Parkplätze.

Marcel Omlin, Rothenburg, Präsident ACS Sektion LU, OW, NW und Kantonsrat SVP