Angepasste Empfehlung
Ab der 12. Woche: Bund rät nun auch Schwangeren sich impfen zu lassen

Bisher empfahl die Eidgenössische Kommission für Impffragen schwangeren Frauen die Covid-Impfung nicht generell . Nun gibt sie grünes Licht für werdende Mütter – aber erst nach der 12. Woche.

Peter Walthard
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Ab der 12. Schwangerschaftswoche gibt es nun auch für schwangere Frauen eine offizielle Impfempfehlung des Bundes.

Ab der 12. Schwangerschaftswoche gibt es nun auch für schwangere Frauen eine offizielle Impfempfehlung des Bundes.

Keystone

Es gebe zunehmende Evidenz, dass der Nutzen einer Impfung auch bei einer Schwangerschaft die möglichen Risiken überwiege. Das sagte Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (Ekif) am Dienstag vor den Medien in Bern. «Schwangere haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf und das Risiko einer Frühgeburt ist erhöht», sagte Berger. Die Ekif habe die Empfehlung deshalb in Absprache mit der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und dem Hebammenverband geändert. Bisher wurde die Impfung nur Schwangeren mit speziellen Risiken und chronischen Krankheiten empfohlen.

Dass die Impfung erst ab der 12. Schwangerschaftswoche empfohlen wird, hat laut Berger damit zu tun, dass Aborte und Fehlbildungen im ersten Drittel der Schwangerschaft häufig sind – auch ohne Impfung. «Wir möchten nicht, dass in einem solchen Fall ein Zusammenhang mit einer Impfung hergestellt wird, obwohl beides nichts miteinander zu tun hat», sagte Christoph Berger. Aus rein medizinischer Sicht spreche nichts dagegen, sich auch bereits im ersten Trimester gegen Corona impfen zu lassen.

Booster-Impfungen bis auf weiteres nicht vorgesehen

Eine vorläufige Absage erteilte Berger dagegen Auffrischimpfungsimpfungen für die breite Bevölkerung. Derzeit kämen diese nur für Hochrisikopatienten mit einem stark beeinträchtigten Immunsystem infrage. Die Impfung schütze zwar nach einer gewissen Zeit kaum mehr davor, leicht an Covid-19 zu erkranken und andere damit anzustecken. Sie reduziere jedoch auch längerfristig das Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 mit einer Hospitalisierung. Da das primäre Ziel der Impfkampagne der Schutz der Spitäler vor einer Überlastung sei, reichten diese auch bei der Delta-Variante aus, so Christoph Berger. Sollten sogenannte Booster wegen der epidemiologischen Lage nötig werden, sei der nötige Impfstoff jedoch vorhanden, versicherte Berger.

Auch Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte, verwies auf den Schutz des Gesundheitssystems als oberstes Ziel der Schweizer Coronastrategie. Gerade in den Schulen gehe es nicht darum, jede einzelne Ansteckung zu verhindern. «Ziel ist das Unterbinden einer zügellosen Verbreitung des Virus», erklärte Hauri. Auch sei das Gesundheitssystem nicht insgesamt überlastet. Für Patienten mit einer verhältnismässig leichten Erkrankung, wie sie auch Geimpfte haben könnten, reichten die vorhandenen Spitalkapazitäten aus, so Hauri. Eng sei es nur auf den Intensivstationen. Grund dafür seien auch Abgänge beim qualifizierten Personal, die nicht einfach ersetzt werden könnten.

Volle Intensivstationen trotz sinkender Hospitalisierungen

Dabei steht der Trend auf den Intensivstationen nicht im Einklang mit der allgemeinen Entwicklung der epidemiologischen Lage, wie Patrick Mathys vom BAG ausführte: «Die Hospitalisationen nehmen bei stabilen Fallzahlen ab», sagte er. Die Auslastung der Intensivstationen habe sich seit Anfang September aber nicht nach unten bewegt. Es sei deshalb notwendig, dass sich nun auch Jugendliche impfen liessen, sagte der BAG-Spitzenmann mit Verweis auf die neue Social-Media-Kampagne des BAG.

Dabei äusserte sich Ekif-Präsident Christoph Berger auch zu Daten aus den USA. Demnach fällt das Risiko einer Herzmuskelentzündung bei jungen Männern höher aus als jenes eines schweren Covid-19-Krankheitsverlaufs. In den meisten dieser Fälle müssten die jungen Männer nur wenige Tage ins Spital, sagte Berger. Durch Covid-19 selbst ausgelöste Herzmuskelentzündungen nähmen oft einen schwereren Verlauf. Die Impfkommission habe eine entsprechende Risikoabschätzung vorgenommen.

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