Brisante Affäre
Bericht: Alain Berset nutzte Staatslimousine mit Chauffeuse für ein Liebeswochenende

Die Affäre um Alain Berset zieht weitere Kreise: Der Bundesrat soll eine Staatslimousine benutzt haben, um sich aus einem Liebeswochenende im Ausland nach Bern an eine Medienkonferenz fahren zu lassen.

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Alain Berset und die Staatslimousine: Er nutzte sie offenbar auch in privater Sache.

Alain Berset und die Staatslimousine: Er nutzte sie offenbar auch in privater Sache.

Archivbild: Urs Flüeler/Keystone

Die aussereheliche Affäre von Gesundheitsminister Alain Berset liegt mittlerweile neun Jahre zurück, doch sie holt ihn wieder ein. Letztes Jahr wurde bekannt, dass der SP-Bundesrat Opfer einer Erpressung wurde. Es geht um eine junge Frau, die Berset auf einer Bundesratsreise kennen gelernt hat. Die Beziehung endete im Streit. Die Frau versuchte, ihn zu erpressen, und wurde deswegen im Herbst 2020 von der Bundesanwaltschaft per Strafbefehl verurteilt.

Vergangene Woche publizierte die «Weltwoche» neue Details zum Fall und warf Berset vor, dass er über seinen damaligen Generalsekretär - also mit staatlichen Ressourcen - versucht habe, seine private Affäre zu regeln.

Dies hat die Geschäftsprüfungskommission auf den Plan gerufen, wie CH Media berichtete. Sie soll die Rolle von Bersets Generalsekretär untersuchen. Darüber hinaus hat der Fall zu einer Strafanzeige der Bundesanwaltschaft geführt, wie die «Schweiz am Wochenende» publik machte. Sie beantragt, dass ein Sonderermittler einer möglichen Amtsgeheimnisverletzung nachgehen soll. Konkret geht es um die Strafakten aus dem Erpressungsfall, welche die «Weltwoche» öffentlich gemacht hat.

Die Fahrt von Freiburg nach Bern

Nun kommen weitere Enthüllungen ans Licht. Gemäss der «NZZ am Sonntag» benutzte Alain Berset eine Staatslimousine mit Chauffeuse, um sich von einem zweitägigen Liebeswochenende in Deutschland abholen und nach Bern fahren zu lassen.

Demnach soll der Innenminister am Freitagnachmittag, 21. September 2012, mit der besagten Frau per Zug nach Freiburg im Breisgau gereist sein, wo er zwei Nächte mit ihr in einem Hotel verbrachte. Nachdem die beiden am Sonntag aus dem Hotel ausgecheckt hatten, sollen sie mit dem Taxi in das zehn Minuten entfernte Zentrum gefahren sein. Dort bestieg der Bundesrat laut dem Zeitungsbericht dann allein ein Repräsentationsfahrzeug der Eidgenossenschaft, das ihn von Deutschland nach Bern brachte.

Am Steuer soll eine Chauffeuse gewesen sein, die ihn schon mehrmals gefahren hatte. Später am Nachmittag trat der Bundesrat vor die Medien - es war ein Abstimmungswochenende. Das Stimmvolk befand über mehrere Vorlagen, welche das Innendepartement von Berset betrafen: den Bundesbeschluss über die Jugendmusikförderung und die Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen».

Berset äussert sich nicht weiter

Wie die «NZZ am Sonntag» weiter schreibt, soll die Staatslimousine mehrere Male für private Fahrten benutzt worden sein. Das wäre nicht zulässig, lässt sich ein ehemaliger Sprecher eines Altbundesrates im Bericht anonym zitieren. «Die Regeln sind klar: Das Repräsentationsfahrzeug ist für amtliche Fahrten in der Schweiz vorgesehen, für alles andere hat ein Bundesrat ja seinen Dienstwagen.» Bundesräte verfügen über zwei Autos: einen Dienstwagen für alltägliche und die private Fahrten sowie ein Repräsentationsfahrzeug.

Der Innenminister selber hat sich bislang zur Affäre nicht weiter geäussert. Auf eine entsprechende Frage an einer Medienkonferenz am Freitag antwortete er: «Zu dieser Angelegenheit habe ich mich schon letztes Jahr geäussert. Ich habe dem nichts beizufügen.» (chm)

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