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«Lage unterschätzt»: Bundespräsident Guy Parmelin räumt Fehler ein

Der neue Bundespräsident Guy Parmelin räumt Fehler bei der Coronapolitik ein: Zwischen Juli und September habe der Bundesrat die Lage unterschätzt.

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«Güterabwägung»: Der Bundesrat müsse auch wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen, sagt Guy Parmelin.

«Güterabwägung»: Der Bundesrat müsse auch wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen, sagt Guy Parmelin.

Archivbild: Keystone

(wap) Im Sommer sei das Virus «gedanklich weit weg» gewesen, sagt der neue Bundespräsident Guy Parmelin (SVP) in einem im Sonntagsblick erschienenen Interview. Darin räumt er ein: «Zwischen Juli und September haben wir die Lage unterschätzt.» Vom anschliessenden schnellen Anstieg der Fälle seien auch viele Spezialisten überrascht gewesen. Die Schweiz habe nicht alles gut gemacht, jeder Tote sei einer zu viel.

Bei der Politik des Bundesrates sei es immer um eine Güterabwägung gegangen, sagt Parmelin weiter: «Zwischen Gesundheit, Wirtschaftlichkeit und der ­Psyche der Menschen.» Parmelin bekennt sich in dem Interview zum föderalistischen Ansatz der Schweizer Coronapolitik. Die Koordination sei nicht perfekt, die Westschweizer Kantone hätten aber bewiesen, dass sie möglich sei. Der Bundesrat habe habe mit den Kantonsregierungen bisweilen auch Klartext sprechen müssen.

Angesprochen auf die Tatsache, dass in der Schweiz pro Kopf deutlich mehr Coronatote zu beklagen sind als im Ausland, äussert Parmelin die Vermutung, dass das hohe Durchschnittsalter der Bevölkerung eine Rolle spiele.

Kein Impfzwang, aber Einschränkungen für Impfverweigerer

Bei der Impfkampagne sei die Schweiz gut unterwegs, so Parmelin. Er spricht sich dafür aus, dass private Unternehmen ungeimpften Personen unter Umständen Dienstleistungen verweigern dürfen. Dies liege in ihrer Eigenverantwortung. Parmelin erwähnt dabei explizit die Luftfahrt: «Wer künftig noch im Flieger reisen will, kommt um eine Impfung kaum herum.» Eine Impfpflicht lehnt Parmelin jedoch ab. Dies seien seine persönlichen Ansichten, so Parmelin.

Die Warnungen der wissenschaftlichen Taskforce des Bundesrates, dass es wegen der unkontrollierten Verbreitung der hochansteckenden Grossbritannien-Variante des Virus zu einem starken Anstieg der Infektionszahlen kommen könnte, habe der Bundesrat «zur Kenntnis genommen». Analysen seien die Aufgabe von Wissenschaftlern und Spezialisten, Entscheide zu fällen, sei aber die Rolle der Politik.